Selbst der Hamburger Flughafen wird wohl nicht vollständig geschlossen. Die anderen deutschen Großflughäfen bleiben sowieso geöffnet, auch wenn es zu Ausfällen kommt. Trotz Orkan Xaver. Trotz Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde. Zwar wird es ruppig werden für diejenigen, die jetzt noch über Nordeuropa an Bord von Verkehrsflugzeugen sitzen. Aber viele Piloten fliegen trotzdem. Wie geht das? Ist das nicht lebensgefährlich?

Dass es während des Unwetters überhaupt Verspätungen und Ausfälle im Luftverkehr gibt, liegt nicht daran, dass Flugzeuge in einem Orkan nicht sicher starten oder landen könnten. Es liegt daran, dass die heftigen Winde die Lotsen zu größeren Abständen zwischen den Flugzeugen zwingen. Wenn ein Flugzeug mit 150 Stundenkilometern Rückenwind anfliegt, dann nach einer 180-Grad-Kurve auf die Landebahn einschwenkt und plötzlich einen Gegenwind von 150 Stundenkilometern bekommt, wird es für die Flugsicherung schwierig. Deshalb der ungewöhnlich große Sicherheitsabstand. Die Kapazität, wie viele Maschinen abgefertigt werden können, sinkt bei stürmischem Wetter.

"Eine komplette Flughafensperrung gibt es so gut wie nie", sagt Ute Otterbein von der Deutschen Flugsicherung. Auch wenn die Flughäfen nicht ganz schließen: Ob trotz Xaver geflogen wird, entscheidet am Ende immer der Pilot.

Im Orkan ist die Startrichtung entscheidend

Und für den ist vor allem Wind von der Seite kritisch: "Bei 30 Knoten Seitenwind, das heißt bei 55 Kilometern pro Stunde, besteht Startverbot für Verkehrsflugzeuge", sagt Ute Otterbein. Aber Böen durch einen Orkan wie Xaver haben regional eine erstaunlich konstante Windrichtung.

Der Wind in Deutschland sei ohnehin gut berechenbar: "Er kommt zu etwa 70 Prozent aus westlichen Richtungen, selten von Osten und fast nie aus Norden oder Süden", sagt Otterbein. Die Start- und Landebahnen haben daher fast alle eine Ausrichtung von Ost nach West. "Lediglich die Startbahn West in Frankfurt geht von Nord nach Süd. Sie darf, wie schon der Name sagt, tatsächlich auch nur zum Starten benutzt werden, und auch nur in Richtung Süden."

Xaver schickt den Wind derzeit von Westen. Die Flieger können also gegen die Windrichtung von Ost nach West landen. Weht es dagegen von Osten, wird die Landebahn in Gegenrichtung angeflogen. Umgekehrt würden die Flugzeuge zu rasant über Grund landen, die Landebahn wäre dafür zu kurz. Herrscht Gegenwind, wird sie funktionell verlängert – vorausgesetzt, der Wind ist nicht schneller als die Eigengeschwindigkeit des Flugzeuges.

Dabei ist Flugzeug nicht gleich Flugzeug. Jeder Typ hat seine maximal zugelassene Seitenwindkomponente. Die hängt von vielen Faktoren ab, besonders von der Bauform: Tiefdecker, bei denen die Tragflächen unter dem Rumpf hängen, reagieren empfindlicher auf Seitenwind als Schulterflügler mit Tragflächen an der Oberseite des Rumpfs, gleichsam an der Schulter. Und wenn die Triebwerke unten an den Tragflächen hängen, hat das Flugzeug weniger Neigungstoleranz, als wenn sie hinten am Rumpf befestigt sind. Denn weder Flügelspitzen noch Triebwerke dürfen die Landebahn berühren.