Erst im Januar hatten japanische Wissenschaftler für Aufruhr in der Stammzellforschung gesorgt: Wie das Magazin Nature berichtete, sei es einem Team aus Kobe gelungen, bereits spezialisierte Mäusezellen wieder zu verjüngen – ganz ohne Gentechnik. Nötig war bloß ein unkonventioneller und zugleich verblüffend einfacher Kniff: Ein Bad in Säure reiche aus, um die Zellen wieder in ihre ursprüngliche, pluripotente Form zu versetzen. So zumindest hatten es die Forscherin Haruko Obokata und ihre Kollegen vom Riken-Center in gleich zwei Studien darlegt.

Doch bereits kurz nach der Veröffentlichung kamen Zweifel an der Methode auf. Mehrere anonyme Blogger äußerten unter anderem auf der öffentlichen Plattform PubPeer Bedenken an der Glaubwürdigkeit der Studie, die Forscher wiesen auf mögliche Fehler im Paper hin. Einige Vorwürfe: In der Veröffentlichung seien Bilder doppelt verwendet worden, auch sei es nach zahlreichen Versuchen nicht gelungen, die Ergebnisse zu wiederholen.

Nun hat das Riken-Center selbst eine erneute Überprüfung der Studien angeordnet. Wie die Pressestelle auf Nachfrage des Magazins Science bekannt gab, sei man sich der Blogeinträge bewusst. Auslöser für die am 13. Februar gestartete Untersuchung des Falls aber sei der "Hinweis eines außenstehenden Experten" gewesen, heißt es.

Im Fokus stehen in beiden Studien Bilder. In der einen Veröffentlichung scheint in den Augen mancher Figur 1i zusammengebaut worden zu sein. In der anderen ähneln sich laut Kritikern zwei Aufnahmen von Plazentas auffallend stark, die eigentlich im Laufe verschiedener Experimente aufgenommen worden sein sollen.

Plazenta, zum Verwechseln ähnlich?

Die Bilder stammen von dem an der Studie beteiligten Klonforscher Teruhiko Wakayama von der Yamanashi University. Laut Nature gibt er zu, dass sich die Fotos ähneln, es könne sich jedoch um eine einfache Verwechslung handeln. Er habe mehr als 100 Fotos an Obokata zur Auswahl geschickt, vielleicht sei unklar gewesen, welches man nutzen solle, zitiert ihn das Magazin.

Ein weiteres Problem ist, dass es anderen Forschergruppen bislang nicht gelungen ist, die Ergebnisse zu wiederholen. Die Redaktion von Nature hat nach eigenen Angaben an zehn bekannte Stammzellforscher einen Fragebogen geschickt – alle kamen mit einem negativen Resultat zurück. In einem Blog bitten Fachkollegen darum, über Versuche auf dem Laufenden gehalten zu werden; acht Fehlschläge sind hier bislang verbucht. Allerdings hätten die Forscher in den meisten Fällen andere Zelltypen verwendet, heißt es in der Nature-Meldung.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Autorin unsauberes Arbeiten vorgeworfen wird. Laut des Berichts wies bereits eine Publikation aus dem Jahr 2011 Unstimmigkeiten auf. Demnach scheint ein Balkendiagramm umgedreht und anschließend an anderer Stelle wiederverwertet worden zu sein.

Einer der Co-Autoren sowohl der damaligen als auch der heutigen Studien, Charles Vacanti, sagte Nature, er habe erst vergangene Woche von der "Verwechslung einiger Balken" im Paper von 2011 erfahren. Er habe das Magazin gebeten, den Fehler zu korrigieren. Es scheine sich um einen Fehler zu handeln, der weder die Daten, noch die Schlussfolgerungen oder andere Teile der Studie beeinflusst habe, zitiert Nature den Narkosefacharzt der Harvard Medical School in Boston.

Die vom Riken-Center eingesetzte Untersuchungskommission wird sich mit dem damaligen Fall nach jetzigem Stand wohl nicht mehr beschäftigen. Es gehe ausschließlich um die Nature-Publikationen aus 2014, teilte die Pressestelle mit. Noch gehe man davon aus, dass die Studienergebnisse gültig seien.

Die Kommission, die sich nun mit der Säurebad-Studie befasst, besteht sowohl aus Forschern des Instituts als auch aus unabhängigen Wissenschaftlern. Wie lange das Verfahren dauern wird, sei zu diesem Zeitpunkt noch unklar, heißt auf den Seiten von Nature und Science. Es wurde auch nicht bekannt gegeben, wer den Vorsitz inne habe und ob neben den Grafiken, deren Richtigkeit auf PubPeer angezweifelt wird, weitere Stellen aus der Studie überprüft werden sollen.

Laut einem Bericht im Wall Street Journal hat die Kommission Haruko Obokata und ihre Kollegen bereits befragt. Sie wolle die Ergebnisse kommenden Monat bekannt geben.