Die von der Bundesregierung eingesetzte Strahlenschutzkommission empfiehlt strengere Vorgaben für den Katastrophenschutz im Fall eines Atomunfalls. Demnach sollen im Fall eines schweren Atomunfalls Anwohner in einem Umkreis von fünf Kilometern rund um das Kernkraftwerk binnen sechs Stunden in Sicherheit gebracht werden, schreibt die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf einen Bericht der Experten.

Bislang umfasste diese Zentralzone nur zwei Kilometer. Die daran anschließende Mittelzone soll nun von 10 auf 20 Kilometer vergrößert werden. "Die Evakuierung ist so zu planen, dass sie in der Mittelzone 24 Stunden nach der Alarmierung der zuständigen Behörden abgeschlossen werden kann", heißt es laut SZ in dem Papier.

Die Strahlenschutzkommission war wenige Wochen nach dem Atomunfall in Fukushima beauftragt worden, die deutschen Regeln zu überprüfen. Rund um das dort havarierte Kernkraftwerk waren in einem Umkreis von 20 Kilometern Dörfer und Städte evakuiert worden, später wurden noch in weiterer Entfernung Ortschaften geräumt. 

Hamburg und München in die Außenzone?

Die Reaktorkatastrophe vom März 2011 hat der Zeitung zufolge offenbar auch die Herangehensweise der Strahlenschützer geändert. Spielte bislang stets auch die geringe Wahrscheinlichkeit eines größten anzunehmenden Unfalls (GAU) bei den Planungen eine Rolle, orientiert sich die Kommission nun allein an den möglichen Folgen. Die Experten wollen daher die Vorsorge für Bürger in größerer Entfernung von einem Atomkraftwerk verbessern.

So sollen sich die Behörden in einem Umkreis von 100 Kilometern darauf vorbereiten, die Bevölkerung zur Not mit Jodtabletten zu versorgen. Bisher galt für diese Vorsorge ein Radius von 50 Kilometern. Mit der Ausweitung kämen auch mehrere deutsche Großstädte in die sogenannte Außenzone, darunter München und Hamburg. Auch sollten Kinder und Jugendliche sowie Schwangere bundesweit mit Jodtabletten versorgt werden.

Das Bundesumweltministerium, dem die Strahlenschutzkommission zuarbeitet, wird die Empfehlungen an die Innenminister der Länder weiterleiten. Sie müssen die Regeln verabschieden, eine Zustimmung gilt als wahrscheinlich, schreibt die Zeitung. Erst kürzlich hatte auch eine Katastrophenschutz-Kommission des Bundesinnenministeriums mehr Vorsorge gegen Atomunfälle gefordert.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) strebt nach einem Bericht der Rheinischen Post eine bundesweite Vereinheitlichung des Katastrophenschutzes für Vorfälle in Kernkraftwerken an. Die Zeitung beruft sich auf Ministeriumskreise. Angestrebt werde auch eine Vereinheitlichung der Katastrophen-Pläne in der EU.