Die Erde steht unter Dauerbeschuss. Jeden Tag prasseln tausende von Meteoriten auf unseren Planeten herab. Unter den vielen Brocken aus dem All gibt es eine Gruppe, die Forscher aufgrund ihrer Herkunft besonders faszinieren. Sie stammen vom Mars und könnten jetzt dafür sorgen, dass die Geschichte des roten Planeten umgeschrieben werden muss.

Bislang waren sich Wissenschaftler einig, dass die heutige Marsoberfläche vor vier Milliarden Jahren entstanden ist. Damals schoss Magma aus dem Marsinneren an die Oberfläche empor, um anschließend zu erkalten und auszuhärten. Wesentlich später krachten regelmäßig große Kometen auf den roten Planeten, Teile des Marsbodens barsten und wurden ins All geschleudert – um letztlich wesentlich kleiner auf der Erde zu landen.

Die deutsche Geophysikerin Stephanie Werner und ihr Forscherteam rütteln mit ihrer neuesten Forschung zwar nicht am Grundgerüst dieser Erzählung. Doch sie drehen in ihrer Studie, die im Magazin Science erscheint, kräftig an der Uhr des roten Planeten (Werner, Ody et Poulet, 2014). Sie datieren die Eruptionen an der Marsoberfläche um mindestens 200 Millionen Jahre zurück. Außerdem liefern die Forscher eine verblüffende Erklärung für den Ursprung einer großen Gruppe an Marsmeteoriten, die als Shergottiten bekannt sind. "Wir konnten nachweisen, dass alle Shergottiten wohl aus dem Mojave-Krater stammen", sagt Werner. Auch seien die Gesteinsbrocken weit älter als bislang angenommen.

Schon länger streitet die Fachwelt über das Alter und den Ursprung der Shergottiten. Während das Ursprungsmaterial der kosmischen Brocken laut den meisten Studien 150 bis 600 Millionen Jahre alt ist (Nyquist et al., 2001; Jones, 2007), ordnen andere Forschergruppen das Gestein in die Kinderjahre des roten Planeten ein. Demnach wäre das Material der Shergottiten mindestens vier Milliarden Jahre alt (Bouvier et al., 2005). Stimmt das, wäre auch die Marsoberfläche selbst älter als bisher angenommen.

Mojave-Krater als Geburtsort der Meteoriten

Werner und ihre Kollegen stützen mit ihrer neuen Studie nun letztere Annahme. Die Forscher haben die Zusammensetzung der Shergottiten-Gruppe analysiert, besondere Aufmerksamkeit galt den Mineralien Olivin und Pyroxen. Beide entstanden vor Milliarden Jahren, als das Magma aus dem Marsinneren quoll und an der Planetenoberfläche kristallisierte.

Das Mischverhältnis der beiden Mineralien unterscheidet sich je nach Ort stark. Jedes Fleckchen auf dem Mars hat eine charakteristische Mischung. Also suchten die Forscher nach einem Krater, der zu dem Mischverhältnis der Shergottiten passte und kamen zum Schluss: Der Mojave-Krater ist Geburtsort der Weltall-Kleinode.

Bloß wann wurden sie aus der Oberfläche gesprengt? Aufschluss darüber liefert das Gebiet um den Krater. Dort wo der Einschlag des Riesenmeteoriten eine Staubfahne hinterlassen hatte, fanden sich nur einige kleinere Abdrücke, die von Kometen stammten, die nach dem Großereignis eingeschlagen waren. Weiter abseits jedoch war die Marsoberfläche von mittelgroßen Einschlägen regelrecht übersät.