Wie findet man ein abgestürztes Flugzeug in den Tiefen der Ozeane? Forscher vom Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel haben sich damit bereits 2010 befasst. Sie suchten nach dem Wrack des Air-France-Airbus, der 2009 über dem Atlantik abgestürzt war. Nun könnte ihr Tauchboot "Abyss" bei der Fahndung nach der verschollenen Boeing 777 von Malaysia Airlines helfen, die im Indischen Ozean vermutet wird. Klas Lackschewitz ist der wissenschaftliche Leiter der Abyss-Tauchfahrten.

Frage: Herr Lackschewitz, die Zeichen mehren sich, dass die verschollene Boeing 777 des Malaysia-Airlines-Flugs MH370 über dem Indischen Ozean abgestürzt ist. Womöglich wird Deutschland wieder gefragt, ob sich das Geomar mit seinem Tauchboot Abyss an der Suche beteiligen könnte. Wie schwierig wäre die Arbeit am Meeresgrund?

Klas Lackschewitz: Wir haben auf der Suche nach der verschwundenen Air-France-Maschine im Atlantik bereits erste Erfahrungen gemacht. Damals wurde das Suchgebiet auf 17.000 Quadratkilometer eingeengt. Die ersten Tauchgänge 2010 waren nicht erfolgreich, erst ein Jahr später konnten wir das Wrack lokalisieren. Um 4.000 Quadratkilometer abzusuchen, haben wir zirka 40 Tage benötigt. Das zeigt schon, wie schwierig ein derartiges Unterfangen ist. Das Trümmerfeld, das wir letztlich aufspüren konnten, erstreckte sich auf eine Fläche von nur 200 mal 600 Metern. Man muss Geduld haben und viel Zeit einplanen.

Frage: Können Sie vorher vom Mutterschiff aus, etwa mit Hilfe von Sonar, den Meeresboden abtasten, um so das Suchgebiet einzugrenzen?

Lackschewitz: Das potenzielle Suchgebiet umfasst diesmal Wassertiefen von 2.500 bis 4.500 Metern. Mit einem Fächerecholot kommt man hier nicht weit. Damit lassen sich nur grobe Strukturen am Meeresboden ausmachen, aber keine Wrackteile, die wenige Meter lang und breit sind. Das ist nicht auflösbar. Deshalb schicken wir in solchen Fällen den Tauchroboter AUV  (Autonomous Underwater Vehicle) hinab, seine Messgeräte haben Auflösungen bis zu einem halben Meter und wir kommen dicht an fragliche Stellen heran. Damit können wir einzelne Teile detektieren. Vom Schiff aus ist dies unmöglich.

Frage: Wie gehen Sie konkret bei so einer Suche vor?

Lackschewitz: Abyss ist ein autonomes, unbemanntes Tiefwasserfahrzeug. Es sieht aus wie ein Torpedo und ist mit verschiedenen Sensoren ausgestattet. An Bord programmieren wir es vor – etwa wie wir das Raster legen. Bei wissenschaftlichen Tauchgängen stellen wir ein paralleles Linienraster ein und achten darauf, dass sich die Datenlinien überlappen, damit wir ein komplettes Bild des Bodens bekommen.

Frage: Steht das AUV ständig mit Ihren Leuten an Bord in Kontakt?

Lackschewitz: Es fährt völlig autonom, drahtlos und autark. Wir können kontinuierlich Basissignale empfangen, etwa zur Wassertiefe, dem Batteriezustand und der Position. Mehr Daten erhalten wir nicht, weil die hohe Wassersäule einen größeren Datenaustausch verhindert. Bei wissenschaftlichen Einsätzen lassen wir das AUV sogar bisweilen in der Tiefe zurück, wo es sein Programm abspult, während wir woanders andere Untersuchungen durchführen. Es operiert dann völlig allein.