30 Tage, vielleicht noch ein bisschen länger, hält das Piepsen einer Blackbox nach einem Flugzeugabsturz. Dann geht dem Datenspeicher die Energie aus und er kann sein Signal nicht mehr senden. Am 8. März, also vor genau einem Monat, verschwand die Malaysia-Airlines-Maschine MH370 spurlos. Der Countdown bis zur völligen Funkstille ist fast hinuntergezählt.

Seit Wochen arbeitet ein internationales Helferteam vor der Küste Australiens daran, das Wrack der Maschine zu finden. Nach vielen Falschmeldungen hatten sich die Hinweise darauf verdichtet, dass Flug MH370 hier sein Ende gefunden hat. 239 Menschen waren an Bord, die Behörden gehen nicht mehr davon aus, dass Crew und Passagiere noch leben, setzen ihre Suche aber nach wie vor fort. Neben der Zeit machen den Suchtrupps das raue Meer und die Größe des Suchgebiets zu schaffen. 

In den vergangenen Tagen konzentrierten sich alle Bemühungen darauf, die Blackbox zu finden. Bestückt mit einem Sender zur Ortung, besteht sie aus zwei Teilen: Einem Stimmrekorder, der die Gespräche der Piloten mit Bodenstationen, Funkverkehr, Hintergrundgeräusche oder Gespräch der Crew über die Gegensprechanlage aufnimmt. Und einem Flugschreiber, der mehr als hundert verschiedene Parameter über den Zustand des Flugzeugs speichern kann, etwa die Geschwindigkeit, die Route des Flugzeugs, den Zustand der Triebwerke oder die Klappeneinstellungen an den Tragflächen.

Zusammen erzählen die Einzelinformationen die Geschichte eines Absturzes, deshalb ist es so wichtig, die Blackbox zu finden. Und deshalb sind derlei Geräte so widerstandsfähig konzipiert. Eine Blackbox hat wenig Probleme mit extremer Hitze, hohem Druck oder Salzwasser, das Problem liegt woanders. Niemand weiß zur Stunde, wie lange die Batterien den Sender noch mit Energie versorgen – oder ob er bereits verstummt ist. Die Rettungsmannschaft will ihre Suche nach der Blackbox so lange fortsetzen, wie sie theoretisch ein Signal aussendet. Also noch wenige Tage. Wie lange genau, weiß niemand.

Zweimal empfingen Schiffe wohl ein Signal der Blackbox

An der Außenseite der Box, die so groß wie ein Schuhkarton und in knalligem Orange gestrichen ist, befindet sich die ULB, kurz für Underwater Locator Beacon. Der Sender schickt im Abstand von einer Sekunde ein Ultraschallsignal in der Frequenz von 37,5 Kilohertz, jeweils für zehn Millisekunden. "International senden alle Flugschreiber und Stimmenrekorder auf dieser Frequenz", sagt Jens Friedemann von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung mit Sitz in Braunschweig (BFU). Die Behörde ist bei Unfällen oder schweren Störungen im deutschen Luftverkehr dafür zuständig, die Ursache aufzuklären.

Die Suche nach der Blackbox vor Australien ist vor allem wegen der Tiefe des Meeres extrem schwierig. "Sie müssen nah genug an dem Sender sein, um überhaupt ein Signal empfangen zu können", erklärt Friedemann. Im Fall von MH370 wird das Wrack in rund 4.500 Metern Tiefe vermutet. Der Schall ist allerdings nur bis rund zwei Kilometer gut zu empfangen, dann überlagern Hintergrundgeräusche das eigentliche Signal. Die australische Marine zieht deshalb unter anderem einen Towed Pinger Locator hinter sich her, eine Sonde, die am Schiff befestigt ist und in mehr als zwei Kilometern unter ihm durchs Wasser stimmt.

Die Bemühungen schienen in den vergangenen Tagen endlich Erfolg zu haben. Das Schiff Ocean Shield, das mit modernster US-Militärtechnik ausgestattet ist, empfing zweimal Signale, die von der Boeing stammen könnten, einmal sogar länger als zwei Stunden – danach verlor der Suchtrupp die Verbindung. Angus Houston, der Leiter der Suchaktion, nennt die Hinweise auf die Blackbox dennoch wichtig und mutmachend. Der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein ist ebenfalls optimistisch und spricht von der bislang bedeutendsten Spur: "Wir dürfen jetzt die Hoffnung nicht aufgeben. Wir werden unsere Anstrengungen, Flug MH370 zu finden, fortsetzen."