In einem Aufsatz in der Reihe Europäische Wehrkunde wirbt Liebig damit, dass Europa in der Lage sein müsse, aufzudecken, falls internationale Verträge und Verpflichtungen nicht eingehalten werden. Das lässt sich dank der Genauigkeit der Copernicus-Satelliten hervorragend tun.

Mit Werbung für ihren Sicherheits- und Militärservice hält sich die Esa derweil offiziell zurück. Ihre Aufgabe in Bezug auf Sicherheitsfragen ist allerdings zugleich recht deutlich formuliert, etwa in den Beschlüssen, die im Rahmen der Europäischen Weltraumpolitik gefasst wurden. Europas Innovationskraft und Technologievorsprung sollen demnach genutzt werden, um für Sicherheit zu sorgen – also auch dafür, dass unerwünschte Flüchtlinge an den Grenzen scheitern.

Große Weltraumprojekte sind kaum ohne das Militär zu haben

Liebig spricht von "Synergien zwischen ziviler und militärischer Nutzung". Seine Worte zeigen deutlich: Große Weltraumprojekte, von denen Wirtschaft und Wissenschaft profitieren, sind kaum mehr ohne das Militär als Mitentwickler und Nutzer zu haben. Für Sentinel-1A etwa ist die Rüstungs- und Raumfahrtabteilung von Airbus ein wichtiger Partner. Dabei konnte die Esa lange Zeit als zivile Behörde vor allem kommerzielle und wissenschaftliche Projekte vorantreiben. Erst seit die EU den Nutzen für sich erkannt hat, mischt sie sich stärker in die Belange der europäischen Raumfahrt ein.

Einmal erhoben, können die Daten von jedem eingesehen werden. Für Geheimdienste sind sie kaum interessant, dafür ist ihre Auflösung nicht hoch genug. Besseres Material kann entweder eingekauft oder selbst erhoben werden, dafür brauchen sie Copernicus nicht. Die Wirtschaft locken die Daten da schon eher. Die Esa hofft, dass die frei verfügbaren Rohdaten Unternehmen nützen.

Ob Copernicus tatsächlich die großen Potentiale ausschöpfen kann, die sich alle Beteiligten erhoffen, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Der Start ist erst der Anfang des Programms, 20 weitere Sentinel-Satelliten sind fest geplant.