Michael Schumacher wurde innerhalb des Krankenhauses verlegt – auf eine weniger gesicherte Intensivstation. Ein weiteres Zeichen dafür, dass sich sein Zustand leicht bessert. Dennoch: Je länger ein Patient im Koma liegt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er ohne gesundheitliche Schäden aufwacht. Im Einzelfall ist diese Behandlung auf der Intensivstation Wochen bis Monate nötig. Allerdings gilt heute in der Intensivmedizin die Maxime: so lange wie nötig, so kurz wie möglich.

Wegen des schweren Schädel-Hirn-Traumas, das Schumacher sich am 29. Dezember bei seinem Skiunfall in den französischen Alpen zugezogen hatte, musste er kurz danach ins künstliche Koma versetzt werden. "Nach derart schweren Verletzungen ist das vor allem nötig, um den Stoffwechsel des Gehirns zu reduzieren und dort den Druck zu kontrollieren", erklärt Steffen Weber-Carstens von der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Charité.

Während eines künstlichen Komas ist die Gefahr hoch, dass bei den Patienten trotz der Narkose zusätzliche Gesundheitsprobleme entstehen. Von Entzugserscheinungen nach dem Absetzen der Medikamente über Bewusstseinsstörungen und Orientierungslosigkeit bis hin zu dauerhafter Schwäche der Muskeln und Nerven. Patienten, die nicht mit einer Kopfverletzung auf der Intensivstation liegen, sondern infolge einer schweren Blutvergiftung und des Versagens lebenswichtiger Organe, werden deshalb oft schon nach wenigen Tagen aus dem medikamentösen Tiefschlaf geholt, um kein Gesundheitsrisiko einzugehen.

Nach schwersten Verletzungen von Schädel und Gehirn, wie Schumacher sie nach dem Unfall davontrug, ist das anders. "Die hochdosierte Narkose ist dann oft über Tage ein wichtiger Bestandteil der Behandlung und dient dazu, den Druck zu senken", sagt Weber-Carstens. Meist werde aber nach spätestens vier Wochen erstmals versucht, die Narkose herunterzufahren. So war es wohl auch bei Schumacher. Nur wenn der Druck dann abermals steigt, muss die Dosierung wieder heraufgesetzt werden – um das Gehirn zu schützen. Dass das drei Monate dauert, ist allerdings ungewöhnlich.

Auch im günstigeren Fall, wenn auf die Medikamente verzichtet werden kann, könne es anschließend eine gewisse Zeit dauern, bis der Spiegel der Narkosemittel im Körper sinkt, erläutert der Intensivmediziner. Tage bis Wochen der Ungewissheit, in denen niemand so genau weiß, ob der Patient nur wegen der Nachwirkung der starken Narkosemittel nicht bei Bewusstsein ist, oder ob die Verletzungen wichtige Areale des Gehirns dauerhaft geschädigt haben, bis hin zum sogenannten "Wachkoma". Selbst mit den Mitteln der modernen Bildgebung ist das nicht sicher zu entscheiden.

Was heißt "Momente des Erwachens"?

Nach Monaten im künstlichen Koma hatte Michael Schumacher erste Zeichen des Erwachens gezeigt. "Michael macht Fortschritte auf seinem Weg", hatte es in einem Statement von Schumachers Managerin Sabine Kehm geheißen. "Er zeigt Momente des Bewusstseins und des Erwachens." Mit dieser Nachricht hatten viele gar nicht mehr gerechnet. Denn seit über drei Monaten liegt der Formel-1-Weltmeister nun schon auf der Intensivstation in Grenoble. Und Ende Januar war erstmals berichtet worden, die Ärzte hätten bei Michael Schumacher die Aufwachphase eingeleitet.

Je länger es dauert, bis zumindest erste Aufwachreaktionen erkennbar sind, desto schlechter ist die Prognose, desto geringer sind die Chancen, dass es jemals wieder echten mitmenschlichen Kontakt gibt. "Momente des Bewusstseins und des Erwachens" ist dabei ein unscharfer, von Medizinern nicht gebrauchter Begriff. Er könnte theoretisch von Körperbewegungen über Reaktionen auf Berührungen und Ansprache durch Angehörige und Klinikmitarbeiter bis hin zum Öffnen der Augen, zu gezieltem Blickkontakt und ersten Versuchen zum Sprechen gehen. "Aber auch ein Patient, dessen Bewusstsein nur minimal erhalten ist, kann Reaktionen zeigen, bis hin zum Öffnen der Augen", gibt Weber-Carstens zu bedenken. Ein Versprechen, dass alles wieder wird wie früher, ist mit den ersten Zeichen des Erwachens nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma nicht verbunden.