In armen Ländern sind die kostenlos ausgegebenen Aids-Medikamente das einzige von Wert, was einige Patienten besitzen. Sie werden oft weiter verkauft, in Kenia sind sie eine Zeit lang zum Brauen von illegal hergestelltem Alkohol eingesetzt worden, weil sie den Gärungsprozess beschleunigen konnten. All das untergräbt die Wirkung solcher Medikamente. Die Hälfte der weltweit entdeckten Fälle von Tuberkulose sind schon nicht mehr mit traditionell wirksamen Medikamenten behandelbar, heißt es in der Studie.

Es gibt aber noch ein Einsatzfeld, das vor allem die Wirkung von Antibiotika in Frage stellt: In den USA werden diese Medikamente bis heute in der Tiermast als Wachstumsbeschleuniger eingesetzt. In Deutschland werden Antibiotika oft flächendeckend in den Ställen – vor allem in der Hennenhaltung und der Schweinemast – gegeben, wenn ein Tier erkrankt. Dazu hatte die Umweltorganisation BUND vor zwei Jahren mehrere Studien in Auftrag gegeben.

Eines der Ergebnisse: Werden Tausende oder gar Zehntausende Tiere in einem Stall gehalten, ist die Ansteckungsgefahr groß  und der Einsatz von Medikamenten eher großzügiger, zumal Tierärzte die Medikamente oft auch noch verkaufen. Seit dem 1. April gelten in Deutschland aber verschärfte Meldepflichten für den Einsatz von Antibiotika in Ställen.

WHO fordert stärkere Überwachung der Tierhaltung

Fukuda wies darauf hin, dass die Weltagrarorganisation FAO seit einigen Jahren versucht, große Tierhalter über freiwillige Vereinbarungen zu einem verantwortungsvollen Einsatz von Tiermedikamenten insbesondere aber Medikamenten zu bringen, die auch in der Humanmedizin zum Einsatz kommen. Dem haben sich zwar viele Firmen angeschlossen.

Doch der Erfolg ist bisher ziemlich überschaubar. Fukuda fordert einen globalen Aktionsplan, um dem Problem Herr zu werden. Zudem kündigte er an, dass die WHO Länder bei der Überwachung der Resistenz von Keimen unterstützen will, in der pazifischen Region reicht diese Kooperation sogar schon bis in die 1980er Jahre zurück.

Doch auch hier zeigt sich, dass insbesondere Länder mit schwachen Gesundheitssystemen dies kaum werden leisten können. So haben nur wenige afrikanische Länder die WHO überhaupt mit Daten über resistente Keime und den Einsatz von Antibiotika versorgen können. Dennoch ist Fukuda optimistisch. Das Problem werde weltweit mehr und mehr erkannt, sagte er. Deshalb rechnet er auch damit, "dass es uns gelingen wird, das Problem global in den Griff zu bekommen". Nur schnell werde das nicht gehen.

Erschienen im Tagesspiegel