Der Deflektorschild sei zu stark, stellt einer der Naboo-Piloten während des Angriffs auf das Flaggschiff der Handelsföderation im Film Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung fest. Seine Laserkanonen durchdringen den Schutzschild nicht. Werden Raumschiffe beider Seiten in der Star Wars-Filmreihe angegriffen, aktivieren sie einen Schutzschild, der das Schiff gegen den Beschuss mit Lasern schützt. Ein solcher Schild gegen Energiewaffen sei durchaus möglich, sagen drei Physikstudenten um Joe McGuire von der Universität von Leicester in Mittelengland.

Er müsse aus einem superheißem Plasma bestehen, berichten sie in einem Aufsatz in der Fachzeitschrift Journal of Physics Special Topics (McGuire & Toohie & Pohl, 2014). Die Teilchen in dem Plasma oszillieren in einer bestimmten Frequenz und lenken auftreffende Lichtpartikel der gleichen Frequenz ab.

Oberflächenplasmonenresonanz heißt dieses Phänomen. Dabei gilt: Je dichter das Plasma, desto höher die Frequenz der Strahlung, die abgelenkt werden soll.

Um den Plasmaschild um ein Raumschiff aufzuspannen, wird ein starkes Magnetfeld benötigt. Das Raumschiff benötige dafür eine entsprechend dimensionierte Energiequelle, erklären die Physiker. Das sei grundsätzlich machbar. Die Energiequelle werde allerdings auch viel Platz benötigen. Ein weiteres Problem: Ein Schutzschild, das Raumschiffe vor eintreffenden Lichtteilchen abschirmt, nichts anderes sind Laser, würde den Piloten blind fliegen lassen. Ohne Licht sieht auch er nichts mehr.

Vorbild Erdatmosphäre

Tatsächlich sei das keine Science-Fiction, sagen die drei: Das Prinzip werde schon seit einiger Zeit angewendet und zwar nicht in irgendeiner fernen Galaxie: "Die Erdatmosphäre besteht aus mehreren unterscheidbaren Schichten, darunter die Ionosphäre. Die Ionosphäre ist ein Plasma, das sich von etwa 50 Kilometern über der Erdoberfläche bis zum Rand des Weltraums erstreckt", sagte Alexander Toohie laut einer Pressemitteilung. "Wie das Plasma, das wir in unserem Aufsatz beschreiben, reflektiert es bestimmte Frequenzen elektromagnetischer Strahlung, in diesem Fall Funkfrequenzen."

Für Langstreckenfunkverbindungen oder die Radarfernaufklärung würden die Strahlen Richtung Himmel gesandt und dann wieder zurück auf die Erde reflektiert. "Diese Methode kann für die Kommunikation über den Horizont genutzt werden, die mit Funkübertragung normalerweise nicht möglich ist – ähnlich wie man mit einem Spiegel um die Ecke schauen kann", sagt Toohie.

Im Prinzip könne das Plasmaprinzip auch dafür verwendet werden, Strahlen einzufangen statt zu reflektieren. Etwa für die Kernfusion, die in einem extrem heißen Umfeld passiere. Sie ist der umgekehrte Prozess zur Kernspaltung, wie sie in Atomkraftwerken angewandt wird. Viele Physiker sind überzeugt, dass die kontrollierte Kernfusion die ideale Art der Energiegewinnung sei. Es gebe dafür etwa ausreichend Rohstoffe und es fallen keine radioaktiven Abfälle an. Aber wie auch der Deflektorschild ist sie bislang nur theoretisch möglich.

Das Journal of Physics Special Topics, in der die drei Physikstudenten ihre Erkenntnisse beschreiben, ist eine wissenschaftliche Fachzeitschrift, die von der Fakultät für Physik und Astronomie der Universität Leicester herausgegeben wird. Sie wird von Studenten gemacht, die Aufsätze werden durch Fachleute bewertet, also einer Peer Review unterzogen. Die Idee ist, dass die angehenden Forscher auf diese Weise die verschiedenen Aspekte des wissenschaftlichen Publizierens kennenlernen.