In Maschinen bauen wir immer ein Stück von uns selbst mit ein, meint ZEIT-Redakteur Gero von Randow, 61. Und das hat überraschende Effekte. © Nicole Sturz/Cornelia Pflüger

Früher einmal hatten wir eine Putzfrau. Kurz bevor sie kam, räumten wir stets noch schnell die Wohnung auf und beseitigten den peinlichsten Schmutz. Wir machten die Wohnung sozusagen putzfraukompatibel.

Heute haben wir einen Staubsaugerroboter. Jeden Morgen checken wir seinetwegen die Wohnung: Liegen Socken, Kabel oder ähnliche Dinge herum, die ihn stören könnten? Und damit er nicht in der Lücke unterhalb der Heizkörper stecken bleibt, haben wir sie mit Stangen versperrt. Wir richten die Wohnung robotergerecht her, damit er sie sauber macht, so gut er eben kann; den Rest machen wir selber weg.

Das Verhältnis von Maschinen und Lebensräumen ist eine Wechselwirkung. Eine der ältesten Erfindungen der Menschheit beispielsweise, das Rad, konnte sich erst durchsetzen, als Wege befestigt wurden – es setzte eine Co-Evolution ein, der Ausbau des römischen Straßennetzes förderte die Wagenbautechnik, die Erfindung des luftgefüllten Gummireifen setzte glatte Asphaltstraßen voraus.

Allein schon der Umstand, dass unser Roboter in der Wohnung umherrollen kann, hat mit der Maschinenprägung unserer Wohnwelt zu tun: Wohnungen sind "Wohnzeug" (Martin Heidegger), "Wohnmaschinen" ( Le Corbusier), gebaut aus maschinell vorgefertigten Teilen und bewohnbar von Waschmaschinen, Kühlschränken und anderen Geräten, die einen planen Untergrund brauchen.

Und nun blicken wir einmal umher: Wo überall noch richtet der Mensch seine Welt maschinengerecht her?

Vor 55 Jahren erschien ein Buch mit dem Titel Die autogerechte Stadt. Es sollte einigen Einfluss erlangen; heute machen sich Stadtplaner die Sache nicht mehr ganz so leicht. Aber wenn wir ein bisschen weiter und nicht nur an Roboter und Autos denken, fällt uns noch mehr auf. Flughäfen, Bahndämme, Skipisten beispielsweise.

In ihrem 2011 erschienenen Buch Confluence: The Nature of Technology and the Remaking of the Rhône zeigt die Technikhistorikerin Sarah Pritchard, dass ausgerechnet die Rhône, dieser Inbegriff französischer Naturidylle, als ein umwelttechnisches System beschrieben werden kann. Wasserkraft- und Kernkraftwerke säumen den Fluss, weinbauliche Monokulturen, TGV-Trassen und Autobahnen. Die Rhône war einer der zentralen Schauplätze des Wiederaufbaus der französischen Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ob in Frankreich, in Deutschland, in Amerika oder in anderen Industrieländern, die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Epoche einer radikalen Landschaftsverwandlung. Natürliche und hergebrachte landwirtschaftliche Landschaften wurden in Baustellen verwandelt, auf denen Neues errichtet wurde.

Die emblematische Maschine dieser Zeit war der Bulldozer. Sein Hohelied wurde beispielsweise in der Kinderliteratur gesungen. In den USA der späten vierziger Jahre war es Benny der Bulldozer, der Wälder umnietete, Felsen wegräumte und den Boden planierte – tolle Sache.