Es ist eine ruhige, klare Nacht im zentralen Süden der USA, ein leichter Wind weht durch die Ortschaft Prague nahe Oklahoma City. Friedlich liegt das Städtchen da, bis mit einem Ruck die Stille der Kleinstadt endet. Schränke wackeln bedrohlich, Gläser stoßen klirrend aneinander, einiges Mobiliar zerbricht. Die Erde bebt. Und sie will sich nicht beruhigen. Am 5. November 2011 erlebt der Bundesstaat Oklahoma das bisher größte Beben in seiner Geschichte.

Seit 2008 ist die Zahl der Erdbeben im Staat sprunghaft angestiegen. Hatte es bis dahin nur zwei Beben mit einer Magnitude von 3,0 und mehr pro Jahr gegeben, zählten die Behörden im vergangenen Jahr mehr als 100 von ihnen. Für 2014 kommt der geologische Dienst von Oklahoma sogar schon auf mehr als 200 dieser mittelgroßen Beben.

Dass Beben plötzlich und geballt vorkommen nach Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten der Ruhe ist nicht ungewöhnlich. Was aber das Beben von Prague besonders macht, ist seine vermutliche Ursache: der Mensch.

Schon länger vermuten Experten, dass Gas- und Ölförderung in Oklahoma die seismischen Erschütterungen verursacht. Eine Sorge, die auch diejenigen teilen, die in Deutschland die Fracking-Technologie verbieten möchten. Nun wollen Forscher neue Beweise für die menschgemachten Beben gefunden haben, die sie im Magazin Science vorstellen (Keranen et al., 2014).

Die modellierten Beben stimmen mit den echten überein

Katie Keranen und ihre Kollegen haben für ihre Studie untersucht, wie und wohin Förderfirmen verunreinigtes Wasser pumpen, das bei der Öl- und Gasförderung anfällt. Anhand dieses Datensatzes und einiger geologischer Annahmen simulierte die Geophysikerin der Cornell University anschließend, wie das Wasser unterirdisch auf das Gestein drückt und wo es dementsprechend zu Beben kommen könnte. Das Ergebnis dieses Modells glichen die Wissenschaftler schließlich mit den tatsächlichen Epizentren der Beben in Oklahoma zwischen 2010 und 2013 ab. Die modellierten Beben wanderten über die Jahre vom Südwesten in den Nordosten, so wie sie es auch tatsächlich taten.

Keranens Studie ist etwas besonderes, weil sie einen geologischen Mechanismus beschreibt, der für die gehäuften Beben verantwortlich sein könnte. Bisherige Studien basierten vor allem auf statistischen Untersuchungen, die die Zahl der Erdbeben vor und nach dem Beginn der intensiven Bohrungen um 2008 miteinander verglichen (Frohlich, 2012; Holland, 2013). "Unsere Studie weist daraufhin, dass sich der Druck dieses Wasser wesentlich weiter ausbreiten könnte als angenommen", erklärt Keranen. "Bisher ging man von einem Radius von unter fünf Kilometern aus, wir dagegen kommen auf 25 Kilometer und mehr."

Doch so gut die Studie das Phänomen in Oklahoma erklärt, ist es nur bedingt möglich, die Ergebnisse auf andere unterirdische Bohrungen zu übertragen. Zum einen haben andere Studien gezeigt, dass das Einleiten von verunreinigtem Wasser wesentlich größere Risiken birgt als der Vorgang des Frackings (McGarr, 2014). Das liegt daran, dass während des Frackings große Wassermengen nur über einen kurzen Zeitraum gepumpt, um dann wieder aus dem Erdreich gepumpt zu werden. "Brauchwasser" hingegen bleibt dauerhaft unter der Erde. Dass deutsche Behörden diese Methode in Deutschland zulassen, gilt derzeit als unwahrscheinlich.