Die Milchstraße ist ein Drecksloch. Zumindest gemessen an den Staubmassen, die durch die Galaxien wehen und Sterne entstehen lassen. Doch woher kommen die mikroskopisch kleinen Materieteilchen im All, die das für uns sichtbare Sternenlicht verdunkeln?

Christa Gall von der Universität Århus und ihre Kollegen wollen die Ursache gefunden haben: explodierende Sterne, Supernovae genannt (Gall et al., 2014). Sollte sich diese neue Entdeckung bewahrheiten, würde die im Magazin Nature veröffentlichte Studie eine lang anhaltende Debatte unter Astronomen endlich ein Ende bereiten.

Jahrzehntelang waren Forscher davon ausgegangen, dass AGB-Sterne den kosmischen Staub verursachen. Diese Glanzlichter, zu denen auch unsere Sonne gehört, wachsen rapide und blasen dabei ständig Teilchen hinaus ins All. Allerdings bemerkten Forscher vor einiger Zeit ein gravierendes Problem: Die AGB-Sterne produzierten zwar massenhaft Staub, aber nicht genug, um all den Dreck zu erklären. Es fluselt zehnmal so viel durch den Kosmos, wie laut Berechnungen von den AGB-Sternen herrühren dürfte (Zhukovska&Gail, 2008). "Ab diesem Moment war klar, dass die bisherige Erklärung nicht die ganze Geschichte sein konnte. Etwas anderes musste wesentlich mehr Staub produzieren", erklärt Gall.

Neue Theorien waren schnell gefunden, neue Kritiker ebenfalls

Schon bald galten Supernovae als Staubquelle. Doch so schnell die Theorie aufkam, so schnell hatte sie bereits ihre Gegner gefunden. Bei früheren Beobachtungen von frisch explodierten Sternen hatten Forscher zwar heißen, feinkörnigen Staub gefunden (Sugerman et al., 2006). Allerdings waren die Mengen, die produziert wurden, wieder zu gering, um den gesamten kosmischen Schmutz in den Galaxien zu erklären.

Einige Astronomen bezweifelten zudem, ob der Supernova-Staub überhaupt langfristig überleben könnte. Da sterbende Sterne mächtige Schocks durch den Kosmos jagen, müssten diese Schocks die kleinen Staubkörnchen aus dem heißen Staub weiter zerbröseln (Silvia&Smith&Shull, 2010). Übrig bleiben würden dann nur noch winzige Partikelchen, die nicht groß genug wären, um mit Gas als Geburtsstätte von Sternen und Planeten zu dienen.

Nach und nach konnten Befürworter der Supernovae-Theorie die Mängelliste abarbeiten. Zunächst entdeckten sie in der Umgebung älterer Supernovae große Mengen kalten Staubs (Matsuura et al., 2011). Die Gegner der Theorie blieben jedoch skeptisch. Der kalte Staub könne von woanders herstammen und nur zufällig in Umgebung der Supernovae sein, erklärten sie. 

Anfang des Jahres erschien dann eine Studie, die das Gegenargument entkräften konnte. Das Superteleskop Alma in Chile untersuchte die chemische Zusammensetzung des kalten Staubes und kam zu dem Schluss, dass dieser aus dem sterbenden Stern stammen müsse (Indebetouw et al., 2014). Die neu erschienene Arbeit von Christa Gall ergänzt diese Studie nun und erklärt, wie aus dem warmen Staub kalter wurde und vor allem, wieso er auch in der rauen Umgebung einer Supernova überleben konnte.