Bioerror, der

aus Biologie und Error (engl. Fehler)

In der alten Welt des letzten Jahrhunderts und ihres kalten Krieges genügten drei Buchstaben, um das Ende zu beschwören. ABC – für atomar, biologisch, chemisch. Doch während der Menschheit am Ende des Zweiten Weltkriegs der Schrecken der Atombombe und bereits durch die Giftgasgranaten des Ersten Weltkriegs das Grauen der Chemiewaffen vor Augen geführt worden war, blieben biologische Kampfstoffe in den Labors und Arsenalen.

Bislang bleibt die B-Waffe ein Schrecken ohne ikonischen Präzedenzfall. Das hinderte Verteidigungs- und Sicherheitsstrategen allerdings nicht daran, nach dem elften September vor Bioterrorismus (bald verkürzt zu: Bioterror) zu warnen. Heute spielt praktisch in jeder Technikfolgenabschätzung für das neue Forschungsfeld der synthetischen Biologie die Prämisse eine Rolle, dass ein manipulierter Krankheitserreger die "Atombombe des kleinen Mannes" sei. Plausibel klingt das wohl, ist jedoch glücklicherweise bislang nicht in Form eines Anschlags bestätigt worden.

Aus dem Arsenal der Schreckensrhetorik will das B-Wort aber einfach nicht verschwinden. So warnen US-Geheimdienstler in einem Ausblick bis zum Jahr 2030 nun vor Bioerror. Ja genau, Bioerror ohne T: Um einen Buchstaben erleichtert schrumpft der Bioterror zu einem Fehler (engl. error) im Labor, gefolgt von versehentlicher Freisetzung einer tödlichen Mikrobe – unbeabsichtigt zwar, aber nicht minder folgenschwer. Zumindest in der Vorstellung.

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Klonschaf, Genomanalyse und Suchmaschine – noch vor ein, zwei Jahrzehnten hätte kaum ein Zeitgenosse damit etwas anzufangen gewusst, mittlerweile dürften praktisch jedem diese Vokabeln geläufig sein. Die Neuzugänge in unserem Vokabular zeigen, wie sich unsere Welt verändert hat. Aber welche Spuren werden just in diesem Moment hinterlassen? Stefan Schmitt sucht in der Kolumne "Worte von morgen" diese Vokabeln. Im Buch "Von der Digitaldemenz zum Infoveganer" stecken 99 weitere Worte von morgen. Folgen Sie @wortevonmorgen auch auf Twitter.