Die US-Seuchenschutzbehörde CDC hat vor einer drastischen Ausbreitung der Ebola-Epidemie in Westafrika gewarnt. Laut ihren Berechnungen könnte die Zahl der Infizierten bis Ende Januar 2015 auf 1,4 Millionen steigen. (Meltzer et al., 2014) Die Behörde geht davon aus, dass die Dunkelziffer der Erkrankten deutlich höher ist als bisher angenommen.

In dem Computermodell "EbolaResponse" berücksichtigen die Forscher die Zahl der nicht gemeldeten Fälle mit dem Faktor 2,5. Bis Ende September würde die Zahl der Infizierten in Westafrika so auf 21.000 steigen. In Liberia verdoppelt sich die Zahl der gemeldeten Fälle derzeit alle 15 bis 20 Tage, in Sierra Leone alle 30 bis 40 Tage, heißt es in dem Bericht. Bis Ende Januar kommenden Jahres könnten sich laut den Berechnungen 550.000 bis 1,4 Millionen Menschen mit Ebola angesteckt haben.

Die Seuchenschutzbehörde räumte allerdings ein, dass die Vorhersage auf Erhebungen aus dem August basiert – bevor die USA und andere Länder ihre Hilfen für die Krisengebiete stark aufgestockt hatten. Sofortige umfangreiche Hilfe könne eine schnelle Wendung herbeiführen und zu einer Senkung der Infektionsrate führen. Wie stark diese sich ausgewirkt hat, ist allerdings unklar.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) registrierte in Westafrika seit Beginn des Ausbruchs bis zum 22. September 2014 offiziell 5.843 Ebola-Patienten, 2.803 davon waren gestorben. In einer eigenen, aktuelleren Studie (New England Journal of Medicine, WHO Response Team, 2014) – ebenfalls einem Rechenmodell – erwartet die WHO etwa 21.000 Infektionen bis Anfang November.

Die Dunkelziffer Infizierter in Westafrika liegt nach Einschätzung von Forschern deutlich höher. Weil in den betroffenen Staaten keine ausreichende medizinische Versorgung und funktionierende Gesundheitssysteme vorhanden sind, werden bei Weitem nicht alle Fälle erfasst.

In Sierra Leone sind bei einer umfangreichen Untersuchung 130 neue Ebola-Fälle entdeckt worden, weitere 70 Verdachtsfälle würden noch geprüft, meldeten die Behörden. Helfer hatten während einer dreitägigen, landesweiten Ausgangssperre mehr als eine Million Haushalte besucht, um Informationen über Ebola zu verteilen und Infizierte zu ermitteln.