Spaß im Labor? Das ist keine Seltenheit, wie die Ig-Nobelpreise alljährlich zeigen. In der Nacht zum Freitag hat die Jury zehn wissenschaftliche Forschungen ausgezeichnet, die "erst zum Lachen und dann zum Denken anregen". Zu der wie üblich schrillen Gala im Sanders Theater der Harvard-University im amerikanischen Cambridge kamen mehr als 1.000 Zuschauer, die die Preisträger ausgiebig feierten.

Die Trophäen waren in diesem Jahr ein Mensa-Tablett mit Besteck und Geschirr aus Plastik, dazu gab es eine Urkunde und eine Banknote über zehn Billionen simbabwische Dollar. Seit 2009 gibt es diese Währung faktisch nicht mehr. Mit ihr ist eine der höchsten Inflationsraten der Geschichte verknüpft.

Die Geehrten waren aus 13 Ländern und von fünf Kontinenten angereist, um die Auszeichnung in Empfang zu nehmen. Das sind die zehn diesjährigen Gewinner der Ig-Trophäen:

  • Physik: In dieser Kategorie hat die Jury Kiyoshi Mabuchi, Kensei Tanaka, Daichi Uchijima und Rina Sakai ausgezeichnet. Das japanische Physiker-Quartett berechnete das Maß der Reibung zwischen Schuh und Bananenschale sowie der Schale und dem Boden, wenn eine Person auf die Obstreste tritt (Mabuchi et al., 2014).
  • Neurowissenschaften: Was geschieht im Gehirn von Menschen, sobald sie Gesichter – oder gar das Konterfei Jesu' – auf ihrem Toast entdecken? Für die Erforschung der Frage sind Jiangang Liu, Jun Li, Lu Feng, Ling Li, Jie Tian und Kang Lee geehrt worden (Liu et al., 2014).
  • Psychologie: Den "Kreaturen der Nacht" haben die Psychologen Peter Jonason, Amy Jones und Minna Lyons einen großen Teil ihrer Lebenszeit gewidmet. Und fanden heraus: Menschen, die aus Gewohnheit lange wach bleiben, bewundern sich selbst öfter, sind manipulativer und psychopathischer veranlagt, als jene, die früh morgens aufstehen (Jonason & Jones & Lyons, 2013). Dafür haben sie nun den Ig-Nobelpreis in Psychologie erhalten.
  • Öffentliche Gesundheit: Katzen sind die besten Freunde des Menschen – oder so ähnlich. Der Preis in der Kategorie "Öffentliche Gesundheit" geht an die Autoren von drei Studien: Jaroslav Flegr, Jan Havlíček, Jitka Hanušova-Lindova sowie David Hanauer, Naren Ramakrishnan und Lisa Seyfried haben untersucht, ob Katzen eine Gefahr für die psychische Gesundheit ihrer Besitzer sind (Flegr & Havlíček, 1999; Flegr et al., 2003; Hanaur et al., 2013).
  • Biologie: Unter den Preisträgern ist die deutsche Biologin Sabine Begall von der Universität Duisburg-Essen. Sie fand mit anderen zusammen heraus, dass Hunde, die ihr Geschäft verrichten, ihre Position am Magnetfeld der Erde ausrichten (Hart et al., 2013). Begall war extra in die USA geflogen, um den Preis entgegenzunehmen.
  • Kunst: Die Auszeichnung teilen sich Marina de Tommaso, Michele Sardaro, und Paolo Livrea aus Italien. Die Neurologen fanden heraus, dass Menschen, denen mit einem Laser auf die Hand geschossen wird, weniger Schmerz verspüren, wenn sie dabei ein hübsches Gemälde betrachteten. Hatten die Probanden das Bild allerdings zuvor als hässlich empfunden, stellte sich kein schmerzlindernder Effekt ein (De Tommaso et al. 2008).
  • Wirtschaft: Der Preis geht an das Nationale Statistikamt Italiens (ISTAT) – stolz habe es die Führung übernommen, für ihr Land ein EU-Mandat umzusetzen, das die Mitgliedsstaaten dazu anhält, ihre Volkswirtschaft zu vergrößern. Es brauchte dafür bloß ein wenig Kreativität: Die italienische Behörde hat schlicht die Umsätze aus Prostitution, illegalen Drogengeschäften, Schmuggel und alle anderen ungesetzlichen Finanztransaktionen zwischen freiwilligen Geschäftspartnern in die Berechnungen einbezogen (ISTAT 2014; ESA 2010).
  • Medizin: Wer kennt es nicht: Die Nase blutet und will einfach nicht aufhören. Also was tun? Sich einen gepökelten Schweinefleischstreifen reinschieben, wenn es nach den Medizinern Ian Humphreys, Sonal Saraiya, Walter Belenky und James Dworkin aus Indien und den USA geht (Humphreys et al., 2011). Für ihre Tamponade bekamen sie nun den Ig. "Und dabei bin ich doch Vegetarierin", sagte Saraiya in ihrer Dankesrede. 
  • Polarforschung: Auf Spitzbergen drängen sich immer mehr Eisbären. Weil die Meereisfläche der arktischen Region in den Sommermonaten Jahr für Jahr kleiner wird, treffen die Tiere künftig wohl häufiger auf Rentiere. Was das für deren Zukunft bedeutet, wollten die Biologen Eigil Reimers und Sindre Eftestøl wissen – und untersuchten dafür, wie Rentiere auf den Anblick von Menschen reagieren, die als Eisbären verkleidet sind (Reimers & Eftestøl, 2012).
  • Ernährung: Wurst aus dem Labor? Bakterien, die im Labor Stoffe umwandeln, sollen das künstliche Fleisch der Zukunft produzieren. Wie die Lebensmittelforscher Raquel Rubio, Anna Jofré, Belén Martín, Teresa Aymerich und Margarita Garriga herausgefunden haben, eignen sich Lactobacillus gasseri und Enterococcus faecalis dafür besonders gut. Ihre Heimat: die Fäkalien von Kleinkindern (Rubio et al., 2014).

All diese Projekte haben einen ernsthaften wissenschaftlichen Hintergrund, mag er auch noch so abstrakt sein. Das Jesus-Toast zum Beispiel: Der Effekt der Pareidolie lässt den Mann im Mond, Elvis auf einer Tomate oder eben Jesus auf einem Toast erscheinen. Doch seit Jahren ist unklar, warum Menschen in abstrakten Strukturen Gesichter erkennen. Den Ursprung dieses Phänomens haben Liu und Kollegen nun gefunden.

Dass es sich bei der Verleihung nicht um eine reine Spaßveranstaltung handelt, zeigt sich auch daran, dass sich jedes Mal Träger des klassischen Nobelpreises unter die Gäste mischen. Frank Wilczek etwa – vor zehn Jahren ausgezeichnet mit dem Physik-Nobelpreis – gratulierte seinen Kollegen herzlich.

Nach der Vergabe wurde eine Oper in vier Akten aufgeführt. Traditionell wird jedes Jahr eine neue Geschichte intoniert. Die diesjährige Inszenierung What's eating you handelt von Menschen, die kein Fleisch mehr essen, und sich stattdessen nur von Pillen ernähren.

Die Verleihung der Ig-Nobelpreise* 2014 können Sie hier im Video ansehen. Die Opernaufführung What's eating you beginnt nach zwei Stunden (02:01:50).

*Anm. d. Red.: In der urprünglichen Fassung hieß es, dass es sich um die "Alternativen Nobelpreise" handelt. Das ist nun korrigiert.