Socialbot, der/die -s

aus Social Network und Roboter

Das musste ja kommen. Jetzt twittern uns schon die Maschinen etwas vor. Suchen nach interessanten Neuigkeiten, bewegen sich durch unsere digitalen Stadtpläne, ja, tun eben so, als seien sie netzgewandte Personen. 

Das ist sicher eine Pointe, was unsere reduzierte Wahrnehmung von Persönlichkeit im Netz betrifft: eine lose Folge von Tweets, Check-ins und Wohlwollensbekundungen inform von Likes – sie gerinnen im Auge des Betrachters zu einer digitalen Identität. Und hinter der muss gar kein Mensch mehr stecken.    

Längst feilen Programmierer an Algorithmen, die sich nach Vorgabe von Ort und Thema Happen aus dem Netz fischen, über die sie dann zum Beispiel twittern. Von den sozialen Netzwerken als ihrem Spielfeld kommt der erste Wortbestandteil Social. Aber Bots? Roboter sind es ja höchstens in unserer Vorstellung, die da agieren. 

Tatsächlich genügen ein paar Logiken, Routinen, Algorithmen, um Aspekte menschlichen Netzverhaltens nachzustellen. Da wird uns eine weitere Demütigung bereitet, die der Technik innewohnt. Wozu? Ein eher niederes Motiv wäre, mit einer künstlichen persona möglichst viele echte Menschen als Onlinefreunde zu gewinnen, etwa um sie hernach mit Werbung einzudecken. 

Aber auch als Butler kann ein Socialbot dienen: Der Nutzer gibt ihm einen Interessenbereich vor und liest dann sein Getwitter. Nützliche Trüffelsuche? Erste Versuche waren vielversprechend. Socialbots erinnern frappierend an das Konzept des digitalen Agenten, wie Nicholas Negroponte es in den neunziger Jahren in Total Digital beschrieben hat. Soziale Netzwerke gab es damals zwar noch nicht. Wohl aber die Verheißung, die auch in der Digitaltechnik wohnt: Man muss nicht alles selber machen.

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Klonschaf, Genomanalyse und Suchmaschine – noch vor ein, zwei Jahrzehnten hätte kaum ein Zeitgenosse damit etwas anzufangen gewusst, mittlerweile dürften praktisch jedem diese Vokabeln geläufig sein. Die Neuzugänge in unserem Vokabular zeigen, wie sich unsere Welt verändert hat. Aber welche Spuren werden just in diesem Moment hinterlassen? Stefan Schmitt sucht in der Kolumne "Worte von morgen" diese Vokabeln. Im Buch "Von der Digitaldemenz zum Infoveganer" stecken 99 weitere Worte von morgen. Folgen Sie @wortevonmorgen auch auf Twitter.