Der erste Ebola-Fall in den USA lässt die Behörden drakonische Maßnahmen ergreifen. Eine Familie in Dallas, die der erkrankte Liberianer Thomas Eric Duncan besucht hatte, wurde in ihrer Wohnung unter Quarantäne gestellt – mit bewaffneter Bewachung. Sie darf bis zum 19. Oktober keinen Besuch empfangen und das Haus nicht verlassen. Grund ist die lange Inkubationszeit: Nach einer Ebola-Infektion können bis zu drei Wochen vergehen, ehe Symptome wie Fieber und Durchfall ausbrechen.

Louise Troh, ihr 13-jähriger Sohn und zwei Neffen wurden unter Hausarrest gestellt, nachdem sie sich nicht an die behördliche Anordnung gehalten hatten, zu Hause zu bleiben. Dies gewährleiste, dass sie nach ihrem Kontakt mit Duncan besser auf mögliche Ebola-Symptome beobachtet werden könnten, sagte der Leiter der Gesundheitsbehörde von Texas, David Lakey.

Unter dem Verdacht der Ebola-Infektion stehende Personen müssen eine Anweisung der texanischen Gesundheitsbehörde unterschreiben, in der sie zusagen, bis zum Ende der Inkubationszeit das Haus nicht ohne Erlaubnis zu verlassen und keine Besucher zu empfangen. Außerdem sollen sie sich für behördlich angeordnete medizinische Untersuchungen bereithalten. Bei Zuwiderhandlung wird ihnen mit Strafverfolgung gedroht.

Der infizierte Liberianer Duncan war im September aus Liberia in die USA gereist. Als er an Fieber erkrankte und ein Krankenhaus in Dallas aufsuchte, schickte man ihn zunächst mit Antibiotika wieder nach Hause. Zwei Tage später musste er mit einem Rettungswagen eingeliefert werden und die Ärzte stellten das Ebola-Virus fest. Durch diese Umstände hat sich der Kreis der möglicherweise Infizierten nach Angaben der Behörden auf 100 erhöht.

Unter besonderer Beobachtung steht eine Kerngruppe von 12 bis 18 Menschen, die direkten Kontakt mit Duncan hatten, die übrigen hatten wiederum Kontakt mit dieser Gruppe. Mit den meisten der möglichen Virusträger haben die Seuchenexperten der CDC inzwischen gesprochen. In 14 Fällen seien Tests auf den Erreger negativ ausgefallen.

Laut der New York Times hatte der Liberianer in seinem Heimatland Mitte September direkten Kontakt zu einer schwangeren Frau, die an Ebola erkrankt war und dem Virus kurz darauf erlag. Am 19. September sei Duncan schließlich von Monrovia über Brüssel und Washington nach Dallas geflogen.

Familie fühlte sich vor Ebola sicher

In einem Interview zeigte sich Louise Troh, die Duncan bei sich hatte wohnen lassen, verzweifelt über ihre Lage. Sie habe gedacht, dass sie Tausende Kilometer von ihrem Heimatland Liberia vor der dort um sich greifenden Seuche sicher sei. "Niemand denkt daran, dass so etwas passiert." Sie und ihre Familie belaste, dass sie unter Hausarrest stünden: "Wer will schon gern eingesperrt sein?" Private Sicherheitsleute und Polizisten riegeln derzeit das gesamte Wohngebäude The Ivy mit seinen 300 Parteien ab.

Gesundheitsbeamte sollen Bettzeug und Handtücher wegbringen, die Duncan benutzt hat. Die Dekontaminierung der Wohnung verzögerte sich aber wegen Zweifeln über die Entsorgung möglicherweise verseuchter Gegenstände. "Die Herausforderungen sind real", sagte CDC-Direktor Frieden auf die Frage, warum das Apartment nicht sofort dekontaminiert worden sei. Es sei der erste Ebola-Fall in den USA und es sei wichtig, dass Dinge, die entfernt werden, auch ohne Risiko entsorgt werden.

Infiziert hat sich noch ein zweiter Amerikaner, der sich derzeit noch in Liberia befindet. Der Fernsehsender NBC hatte dort einen Kameramann angeworben, der kurz darauf positiv auf Ebola getestet wurde. Er soll nun in die USA geflogen und dort behandelt werden.

Währenddessen hat die Regierung in Washington angekündig, bis zu 1.000 weitere Soldaten zum Kampf gegen Ebola nach Westafrika zu entsenden. Verteidigungsminister Chuck Hagel habe diesen Schritt genehmigt, sagte Pentagonsprecher John Kirby. Vor zweieinhalb Wochen hatte das Pentagon bereits die Entsendung von bis zu 3.000 Soldaten angekündigt. Die Truppen würden laufend ärztlich untersucht. Medizinische Hilfe sollten die Soldaten nicht leisten: "Dies sind keine Ärzte, keine Krankenschwestern", sagte Kirby. Es handle sich viel mehr um Experten für Logistik und gut ausgebildete Ingenieure.

In Frankfurt kam am Freitagmorgen ein ugandischer Arzt an, der sich bei der Arbeit in Sierra Leone mit Ebola infiziert hatte. Er wurde zur Behandlung ins Universitätsklinikum gebracht, wo er in einem eigenen Gebäude untergebracht ist. Der Zustand des Mannes, der für eine italienische Hilfsorganisation arbeitete, wurde von dem behandelnden Arzt Timo Wolf als "sehr ernst, aber stabil" beschrieben. Die Krankheitssymptome könnten sich in den nächsten Tagen aber noch verstärken.