Weltbank-Präsident Jim Yong Kim hat der internationalen Gemeinschaft Versagen im Kampf gegen Ebola attestiert. "Ebola hat uns auf die Probe gestellt, und wir haben versagt", sagte Kim dem Guardian. "Wir haben in unserer Reaktion kläglich versagt." 

Die Epidemie, an der laut den Vereinten Nationen in Westafrika schon fast 3.900 Menschen gestorben sind, werde sich nach den Fällen in den USA und Spanien wohl weiter verbreiten. "Die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus nun auch weitere europäische Länder erreicht, ist ziemlich hoch", sagte Kim.

Vor den Treffen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds an diesem Wochenende forderte Kim die westlichen Staaten auf, 20 Milliarden Dollar bereitzustellen für einen Hilfsfonds in Notfällen. "Ich kann den Finanzministern nur sagen: Schaut, was gerade in Spanien passiert", sagte Kim. "Und es wird noch viel schlimmer werden." 

"Es ist spät, es ist wirklich spät", sagte Kim. "Wir hätten so viel tun müssen." Der erste Ausbruch der Seuche hätte stärker beobachtet werden müssen. "Es hätte einer organisierten Antwort darauf bedurft", sagte er. Auch jetzt reagiere die Weltgemeinschaft noch nicht schnell genug.       

Fiebermessung an US-Flughäfen

In Leipzig ist ein Ebola-Patient aus Afrika zur Behandlung eingetroffen. Das Flugzeug mit dem Erkrankten landete am frühen Donnerstagmorgen auf dem Flughafen Leipzig/Halle. Nach Angaben des sächsischen Gesundheitsministeriums handelt es sich bei dem Patienten um einen UN-Mitarbeiter. Über seinen Zustand gab es keine näheren Informationen. Der Kranke soll in der Leipziger Spezialklinik St. Georg behandelt werden. Das Krankenhaus verfügt über eine Sonderisolierstation.

Die Behörden in den USA wollen nach dem Tod des ersten Ebola-Patienten außerhalb Westafrikas herausfinden, ob das Leben des Liberianers durch bessere Versorgung hätte gerettet werden können. Der Mann war mit Symptomen des tödlichen Virus zunächst von einer Spezialklinik im texanischen Dallas abgewiesen worden, ehe er erst Tage später in einem deutlich schlechteren Zustand doch noch aufgenommen wurde. Er starb am Mittwoch an den Folgen der Erkrankung. 

Aus Angst vor der Epidemie verschärfen die USA die Überwachung an ihren Flughäfen. Das Heimatschutzministerium ordnete an, alle einreisenden Passagiere auf Anzeichen von Ebola zu kontrollieren. Nach Angaben eines Beamten soll bei Reisenden aus Westafrika an fünf US-Flughäfen Fieber gemessen werden – von Samstag an in New York, später auch in Newark, am Flughafen Dulles nahe Washington, Chicago und Atlanta.

US-Außenminister John Kerry forderte die Fluggesellschaften auf, ihre Verbindungen nach Westafrika aufrecht zu erhalten. Auch die Grenzen dürften nicht geschlossen werden, damit Hilfen und medizinisches Personal in die betroffenen Länder gebracht werden könnten.