Planemo, der/die -s

aus Planet, Masse und Objekt

Einen geradezu kosmischen Charme besitzt dieses Wort. Es klingt nach einer kindlichen Verniedlichung, tatsächlich aber spiegelt sich in ihm die wohl spannendste Facette der Planetenforschung aus den vergangenen zwei Jahrzehnten. Da geschieht wissenschaftlich gerade enorm viel. Jahrtausendelang hatte die Menschheit das Lichtermeer des Himmels bewundert.

Dass aber um all die unzähligen Sterne auch Planeten kreisen könnten, und nicht etwa nur – wie man bis dato selbstbezogen vermutet hatte – um unsere heimische Sonne, diese Erkenntnis schlug erst Mitte der Neunzigerjahre ein, mit der Entdeckung der ersten extrasolaren Planeten (für die sich bald die Kurzform Exoplanet fand). Verbunden ist die Suche nach Exoplaneten mit der Vorstellung von fremden Welten und "zweiten Erden", deren vermeintlicher Fund regelmäßig in den Zeitungen gemeldet wird – freilich auf Basis dürrer Daten.

In Wahrheit kennt man von diesen fremden Himmelskörpern kaum mehr als ihre ungefähre Größe und in welchem Abstand sie sich um ihren Stern drehen. Eine gewaltige Überraschung waren da jene Funde zu Beginn des neuen Jahrtausends, bei denen Wissenschaftler Objekte am Himmel aufspürten, die ihrer Masse nach Planeten sein mussten, aber um keinen Stern kreisten. Damit erfüllten sie ein zentrales Kriterium für die Planeten-Definition nicht.

Nach einigem Hin und Her erhielten die freifliegenden Himmelskörper, die in den Medien zuweilen als kosmische Geisterfahrer bezeichnet werden, die Bezeichnung: Objekte planetarer Masse (engl. planetary mass objects). Es dauerte nicht lange, bis die umständliche Umschreibung zu Planemo verkürzt war. Und genau wie bei den Exoplaneten gilt auch hier, die Entdeckerzeit hat gerade erst begonnen. Der Himmel wird in den kommenden Jahren also noch viel, viel unübersichtlicher werden.

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Klonschaf, Genomanalyse und Suchmaschine – noch vor ein, zwei Jahrzehnten hätte kaum ein Zeitgenosse damit etwas anzufangen gewusst, mittlerweile dürften praktisch jedem diese Vokabeln geläufig sein. Die Neuzugänge in unserem Vokabular zeigen, wie sich unsere Welt verändert hat. Aber welche Spuren werden just in diesem Moment hinterlassen? Stefan Schmitt sucht in der Kolumne "Worte von morgen" diese Vokabeln. Im Buch "Von der Digitaldemenz zum Infoveganer" stecken 99 weitere Worte von morgen. Folgen Sie @wortevonmorgen auch auf Twitter.