Der historische erste Testflug des US-Raumschiffs Orionmusste verschoben werden. Starke Windböen am Weltraumbahnhof Cape Canaveral hatten den Start vier Minuten vor Ende des Countdowns verhindert. Stunden später gab die US-Raumfahrtbehörde Nasa bekannt, man müsse eine Pause einlegen, frühestens am Freitag könne ein neuer Versuch gestartet werden.

Nasa-Kommentator Mike Curie blieb zunächst guter Hoffnung: "Das stoppt nicht die Show", sagte er nach der ersten Verzögerung. Das Startfenster sei zweieinhalb Stunden offen, versicherte er beständig. Doch letztlich waren die Windböen am Weltraumbahnhof Cape Canaveral zu stark.

Eine erste Verzögerung gab es bereits, bevor das Wetter nicht mehr mitspielte. Ein Boot war vor der Küste Floridas in die Gefahrenzone eingedrungen. Schließlich gab es auch Probleme mit einem Ventil am Tank der Rakete.

Planmäßig sollte die Raumkapsel um 13.05 Uhr MEZ mithilfe einer Rakete vom Typ Delta IV vom Weltraumbahnhof  in Florida abheben.

Auf ihrem ersten Testflug soll das unbemannte Raumfahrzeug zwei Mal die Erde umrunden und dabei eine Höhe von 5.800 Kilometern erreichen. Viereinhalb Stunden später soll Orion südwestlich der kalifornischen Küste im Pazifik landen. Dies wird der spannendste Teil der Reise sein: Die Kapsel wird mit einer Geschwindigkeit von mehr als 30.000 Kilometern pro Stunde zur Erde zurückkehren – 85 Prozent des Tempos, das bei der Rückkehr von einer Mondmission erreicht würde. Beim Eintritt in die Atmosphäre werden etwa 2.200 Grad Celsius erreicht.

Der Testflug namens EFT-1 sei die "erste Feuerprobe", sagte Mike Sarafin, Flugdirektor der Mission der Arizona Daily Sun. Gelingt sie, melden sich die USA zurück im Wettbewerb um die bemannte Raumfahrt. Dieser wird derzeit bestimmt von Russland und China.

Erster bemannter Flug nicht vor 2021

Die berühmten Space Shuttle waren 2011 auch aus Kostengründen abgeschafft worden. Seitdem sind die amerikanischen Astronauten auf teure Mitfluggelegenheiten in russischen Sojus-Kapseln angewiesen, um zur Internationalen Raumstation ISS zu kommen. Die Orion soll langfristig bis zu sechs Passagiere tiefer ins Weltall bringen als je zuvor.

Ein erster bemannter Flug ist nicht vor 2021 geplant. Mitte der 2030er Jahre will die Nasa mit der Raumkapsel dann Menschen zum Mars befördern.   

Im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) besteht die Hoffnung, dass Orion auch deutsche Astronauten mit ins All nehmen wird. DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner sagte im rbb-Inforadio, Europa steuere bereits ein in Deutschland gebautes Service-Modul bei. Dieses ist unter anderem für die Energieversorgung und den Antrieb wichtig. Der erste bemannte Orion-Flug sei um den Mond geplant, sagte Wörner.