In zartem Orange leuchtet der Stern Kepler-444 im Sternbild Leier. Das allein wäre keine Besonderheit: Doch der sonnenähnliche Himmelskörper ist ein astronomisches Fossil. Er hat gleich fünf Planeten um sich geschart, die aus der Frühzeit des Universums stammen.

Mit einem Alter von 11,2 Milliarden Jahren ist Kepler-444 das älteste, bislang bekannte Sonnensystem in unserer Galaxie, das von erdgroßen Planeten umkreist wird. Es ist mehr als doppelt so alt wie unser eigenes, wie Forscher im Astrophysical Journal schreiben (Campante et al., 2015). Die Entdeckung beruht auf Messdaten des Weltraumteleskops Kepler.

Um das rund 117 Lichtjahre entfernte System in der Milchstraße zu verstehen, haben die Wissenschaftler die natürlichen Resonanzen aus dem Inneren seines Zentralsterns aufgezeichnet. "Sie klingen in etwa wie Wasser in einem Topf, das fast kocht", erklärt Saskia Hekker, Sternforscherin vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. Die Schwingungen führen zu winzigen Veränderungen der Helligkeit des Sterns. Daraus lassen sich dann sein Durchmesser, Gewicht und Alter ableiten. Aus den Daten können die Forscher außerdem Rückschlüsse auf die Eigenschaften der Planeten ziehen.

Wie die Untersuchungen zeigen, ist der innerste Planet von Kepler-444 in etwa so groß wie der Merkur, der äußerste unwesentlich kleiner als die Venus. Die drei dazwischenliegenden sind vergleichbar mit dem Mars. Der Zentralstern selbst ist ein Viertel kleiner als unsere Sonne und bedeutend kühler.

Eine ferne Welt, wo Leben möglich ist?

Es ist bekannt, dass sich über weite Zeiträume in der Geschichte des Universums immer wieder erdgroße Planeten gebildet haben. "Leben könnte in unserer Galaxie damit schon einmal existiert haben", sagt Tiago Campante, Erstautor der Studie. In zehn Milliarden Jahren hätte so manch intelligenter Organismus entstehen können. Zum Vergleich: Unsere Sonne ist rund 4,6 Milliarden Jahre alt, erste Mikroben entwickelten sich aber erst vor drei bis vier Milliarden Jahren. "Als sich die Erde geformt hat, waren die Planeten in diesem System bereits älter als unser Planet heute ist."

Ob Leben entstehen kann, hängt von einigen Faktoren ab. Zunächst einmal muss sich der mögliche Heimatplanet in der habitablen Zone um seine Sonne befinden, jenem Bereich also, in dem Wasser in flüssiger Form vorhanden sein könnte. "Je näher der Planet an seiner Sonne ist, desto heißer ist es dort", sagt Hekker. Derzeit kreisen die Planeten-Brocken äußerst eng um ihren Zentralstern, das aber müsse nicht immer so gewesen sein.

Eine weitere Voraussetzung ist die richtige Zusammensetzung der Atmosphäre. "Die der neu entdeckten Planeten kennen wir nicht", sagt Hekker. Man wisse nicht einmal, woraus die Planeten selbst sind. Von deren berechneter Dichte lasse sich allenfalls darauf schließen, dass sie steinigen Charakters sind. "Ich würde trotz aller Unsicherheiten nicht ausschließen, dass sich im System um Kepler-444 Leben entwickeln konnte."

Mit dem Weltraumteleskop Kepler suchen US-Forscher seit 2009 nach Planeten in der Milchstraße. Leben, wie wir es von der Erde kennen, haben sie noch auf keinem davon entdeckt. Im Fokus sind mehr als 150.000 Sterne. Gut 2.000 Kandidaten für Exoplaneten hat Kepler schon aufgespürt. Die müssen großenteils noch bestätigt werden. Die Mission läuft noch bis 2016.