Makrobe, die/die -n

aus Makro (von griech. makros, groß/weit/lang) und Mikrobe (ugs. für Mikroorganismus)

Mikro und Makro sind ein Gegensatzpaar, das man wohl ebenso voraussetzen darf wie Brutto und Netto, Soll und Haben, Obst und Gemüse. Ein simples Wortspiel also, da hat jemand beim Kosenamen für Mikroorganismen den ersten Wortteil ausgetauscht: Aus Mikrobe wird Makrobe.

Damit sind Lebewesen gemeint, die in den Größenordnungen der makroskopischen Welt zuhause sind, die man also mit bloßem Auge erkennen kann. Mensch oder Makrele zum Beispiel. Wozu der Begriff? Da ist es dann nicht mehr so simpel. Mikroökologen gebrauchen ihn, wenn sie – Achtung, paradoxe Logik! – auf die Gefährdung von Mikroben aufmerksam machen wollen.

Diese kleinsten Lebewesen sind nämlich im Gegensatz zu Walen, Elefanten und anderen Makroorganismen nicht geschützt und werden meist gänzlich missachtet, wenn es um den Erhalt der ökologischen Vielfalt geht, der vielbeschworenen Biodiversität. Dabei sind die Stoffwechseldienstleistungen von Bakterien, einzelligen Pilzen und Co. für den Menschen und die gesamte belebte Welt unverzichtbar. Und diverser als alle anderen Lebewesen sind sie auch. Vielleicht wird aus dem gut gemeinten Appell ja ein geflügeltes Wort: ohne Mikroben keine Makroben.

Für weitere Folgen der Kolumne "Worte von morgen" klicken Sie bitte auf das Bild.

Klonschaf, Genomanalyse und Suchmaschine – noch vor ein, zwei Jahrzehnten hätte kaum ein Zeitgenosse damit etwas anzufangen gewusst, mittlerweile dürften praktisch jedem diese Vokabeln geläufig sein. Die Neuzugänge in unserem Vokabular zeigen, wie sich unsere Welt verändert hat. Aber welche Spuren werden just in diesem Moment hinterlassen? Stefan Schmitt sucht in der Kolumne "Worte von morgen" diese Vokabeln. Im Buch "Von der Digitaldemenz zum Infoveganer" stecken 99 weitere Worte von morgen. Folgen Sie @wortevonmorgen auch auf Twitter.