Rehabilitainment, das

aus Rehabilitation und Entertainment (engl. Unterhaltung)

Wenn jemand schlaumeiert, dass Technik neutral ist, dann geht es meistens um große ethische Fragen: Kriegerisch oder friedlich – oft lässt sich ein und dieselbe Erfindung ganz unterschiedlich einsetzen. Und manchmal findet sich für einen scheinbar nutzlosen Zeitvertreib später eine ernsthafte Anwendung.

So wie beim Schwarzpulver, das die Chinesen erfanden und für Böller nutzten (Spaß). Viel später setzten europäische Kanonenbauer es todbringend ein (Ernst). Dem Schwarzpulver war’s egal, es ist ja neutral. So wie Videospiele: Lange ein mediales Schmuddelkind, schienen sie nicht für mehr zu taugen als zur Unterhaltung. Knöpfchendrücken noch und nöcher – schnödes Entertainment halt.

Die Verbreitung von Spielgeräten aber, die statt mit Knöpfen per Gesten oder gar mit umfassenden Körpereinsatz erforderndem Gehampel dirigiert werden, brachte Ärzte und Orthopäden auf eine ganz andere Idee: Wiederholen die Spieler bei Wii, Kinect und Co. nicht stundenlang geduldig vorgegebene Bewegungen? Freiwillig! Genau das, was viele Rehapatienten brauchen.

Könnte man nicht solche Spiele zur Bewegungstherapie einsetzen? Oder neue entwickeln? Das nennt man Rehabilitainment, Spaß an der Rehabilitation. Und, ja, als Erstes wurde das Konzept in Militärlazaretten an verwundeten Soldaten eingesetzt. Technik ist eben neutral.

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Klonschaf, Genomanalyse und Suchmaschine – noch vor ein, zwei Jahrzehnten hätte kaum ein Zeitgenosse damit etwas anzufangen gewusst, mittlerweile dürften praktisch jedem diese Vokabeln geläufig sein. Die Neuzugänge in unserem Vokabular zeigen, wie sich unsere Welt verändert hat. Aber welche Spuren werden just in diesem Moment hinterlassen? Stefan Schmitt sucht in der Kolumne "Worte von morgen" diese Vokabeln. Im Buch "Von der Digitaldemenz zum Infoveganer" stecken 99 weitere Worte von morgen. Folgen Sie @wortevonmorgen auch auf Twitter.