Steampunk, der

aus Steam Engine (engl. Dampfmaschine) und Punk/Cyberpunk

Was wäre, wenn ...? – Diese Frage ist die Mutter aller Alternativweltgeschichten. Von Erzählungen also, die von einem anderen Verlauf der Geschichte ausgehen. Die Historie wird zum Material für Fiktionen – und manchmal entwickelt sich eine regelrechte Subkultur daraus. Wie Steampunk. Ausgehend vom Zeitalter der Dampfmaschinen (von steam engine kommt der erste Wortbestandteil) im England des 19. Jahrhunderts wird hier eine Zukunft ersonnen, zu der Kupfer und Messing, mechanische Armaturen, Schrauben und Nieten genauso gehören wie viktorianische Mode und englischer Bürgerstil.

Was wäre, wenn dampfbetriebene Computer und Luftschiffe die technische Entwicklung dominiert hätten? Steampunk ist ein Netzkulturphänomen par excellence. Viele Fans hegen nämlich zugleich eine große Begeisterung für heutige Digitaltechnik und fürs Selberbasteln: Liebevoll bauen sie Computer oder Mobiltelefone in polierte Holz- und Messinggehäuse ein, schneidern Miederkleider selbst, basteln Retrovarianten von Geräten und Haushaltsgegenständen. Im Netz wird diese Ästhetik dokumentiert, aber auch in Kino, Werbung oder Videospiel schlägt sich das Dampfmaschinendekor nieder.

Aber warum Punk? In manchen Definitionen steht der zweite Teil des Kompositums schlicht für eine rebellische Haltung, für das Unkonventionelle, das Unangepasste, eben den Punk, der sich unter anderem in der Freude am Umgestalten und Zweckentfremden ausdrückt. Aber auch Bezüge zum Science-Fiction-Genre des Cyberpunk werden häufig hergestellt. Diese Erklärung des zweiten Wortbestandteils ist nicht ohne Ironie, imaginiert der Cyberpunk doch eine zentrale Bedeutung virtueller Welten, während der Steampunk das altmodisch Anfassbare in Zeiten der Digitalisierung verteidigt.

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Klonschaf, Genomanalyse und Suchmaschine – noch vor ein, zwei Jahrzehnten hätte kaum ein Zeitgenosse damit etwas anzufangen gewusst, mittlerweile dürften praktisch jedem diese Vokabeln geläufig sein. Die Neuzugänge in unserem Vokabular zeigen, wie sich unsere Welt verändert hat. Aber welche Spuren werden just in diesem Moment hinterlassen? Stefan Schmitt sucht in der Kolumne "Worte von morgen" diese Vokabeln. Im Buch "Von der Digitaldemenz zum Infoveganer" stecken 99 weitere Worte von morgen. Folgen Sie @wortevonmorgen auch auf Twitter.