Der US-Bundesstaat Utah hat die Hinrichtung von Todeskandidaten durch ein Erschießungskommando wieder offiziell eingeführt. Grund für die Regelung ist nach offiziellen Angaben, dass es zunehmend schwierig sei, die entsprechenden Substanzen für Giftspritzen zu erhalten. Während Kritiker sowohl das Erschießen als auch den Tod per Giftspritze als unmenschlich verurteilen, sehen Befürworter in der Todesstrafe eine unverzichtbare Maßnahme. Haben sie recht?

Wer für die staatliche Exekution argumentiert, bezieht sich häufig darauf, wie zweckdienlich sie doch sei: Sie schrecke ab und halte so andere potenzielle Täter von ihrem Vorhaben ab. Doch lässt sich die Tötung eines Menschen überhaupt mit dem Nutzen für die Gesellschaft rechtfertigen? Selbst wenn man diese Argumentation grundsätzlich zuließe, so bleibt immer noch die Frage: Hat sich die Todesstrafe überhaupt als Mittel zur Abschreckung oder als Wiedergutmachung für die Opferangehörigen bewährt?

Die "Schlimmsten der Schlimmsten" hätten es verdient, ebenso schlimme Leiden zu erleben wie sie anderen zugefügt haben, argumentiert der New Yorker Rechtsprofessor Robert Blecker, der in den USA als Wortführer der Exekutionsbefürworter gilt. In seinem Buch The Death of Punishment bezeichnet Blecker das institutionalisierte Töten als einzigen Weg, "ausgleichende Gerechtigkeit" herzustellen. 

Gerechtigkeit, Vergeltung, Buße – in der Debatte um die Todesstrafe fallen diese Begriffe meist zuerst. Man müsse die Opfer rächen, damit ihre Familien und Angehörigen Frieden finden könnten, behaupten viele Verfechter. Dabei berichten Opfer-Familien häufig, dass das lange Ringen um das Todesurteil genau das Gegenteil bewirkt: "Mordprozesse, die oft 25 Jahre dauern, erschweren den Heilungsprozess und verzögern den Vollzug der Gerechtigkeit", schreibt die US-Initiative Murder Victims' Families for Reconciliation (MVFR) auf ihrer Website.

Wie sich die Hinrichtung des Mörders auf das psychische Befinden der Angehörigen der Opfer auswirkt, ist kaum erforscht. Es ist nicht auszuschließen, dass das Gefühl der Genugtuung manchen hilft, mit der eigenen Trauer zurechtzukommen. "Das Bedürfnis nach Rache darf aber nicht zur Grundlage der staatlichen Kriminalpolitik gemacht werden", sagt der Strafrechtler Heinz Schöch von der Universität München.

Mörder werden nur selten rückfällig

Nach deutschem Recht hat Strafe nämlich nicht allein den Zweck, Gerechtigkeit herzustellen. Sie soll in erster Linie den Rechtsfrieden aufrechterhalten, also ein friedliches Zusammenleben der Bevölkerung gewährleisten. Auch in den USA dient Strafe nicht nur der Vergeltung, sondern auch dazu, künftigen Verbrechen vorzubeugen und die Gesellschaft vor Kriminellen zu bewahren. Nach Ansicht von Befürwortern ist die Todesstrafe der sicherste Schutz vor Wiederholungstaten: Wer tot ist, kann schließlich niemanden mehr umbringen.

Aus dem Gefängnis entlassene Mörder werden allerdings selten rückfällig. In einer vom Bundesjustizministerium in Auftrag gegebenen Rückfallerhebung stehen Tötungsdelikte an letzter Stelle. Von den Tätern, die wegen Mordes oder Totschlags vor Gericht standen, wurden laut der Statistik innerhalb von drei Jahren nach der Entlassung nur rund 18 Prozent rückfällig – und von ihnen nur ein Bruchteil wegen erneuten Mordes. Von den Dieben und Erpressern beging dagegen etwa jeder Zweite nach seiner Entlassung erneut ein Verbrechen. Auch in den USA sind die Rückfallquoten unter Mördern niedrig.

"Der kaltblütige Serienkiller, der wahllos wildfremde Menschen umbringt, ist ein Klischee und sehr selten", sagt der Kriminologe Torsten Verrel von der Universität Bonn. "Die meisten Morde geschehen im sozialen Nahraum. Die wenigsten töten um des Tötens willen, sondern aus Wut oder Eifersucht auf eine ganz bestimmte Person." Bei solchen Konflikttätern sei das Risiko erneuter Tötungsdelikte daher meist gering.

Doch selbst wenn die Gefahr einer Wiederholungstat bestünde – würde nicht auch eine lebenslange Haftstrafe reichen, um die Bürger zu schützen? Verfechter entgegnen auf diesen Einwand meist, dass eine Haftstrafe nicht abschreckend genug sei. Allein die Aussicht auf den eigenen Tod könne potenzielle künftige Mörder von ihrer Tat abhalten, so die These.