Der Asteroid Didymoon hat eine große Karriere vor sich. Die europäische Weltraumagentur Esa und das US-amerikanische Gegenstück Nasa planen eine Testreihe zur Abwehr von Gesteinsbrocken aus dem All, die mit der Erde kollidieren könnten. Didymoon könnte das erste Ziel sein, der Asteroid soll frühestens 2022 von einer Sonde attackiert werden.

Das Flugobjekt namens DART (Double Asteroid Redirection Test) soll dann mit sechs Kilometern pro Sekunde direkt auf Didymoon aufprallen. "Der Einschlag wird den Asteroiden um etwa einen halben Millimeter pro Sekunde verlangsamen", sagt der Pariser Esa-Mitarbeiter Ian Carnelli. Er leitet die 200 Millionen Euro teure "Asteroid Impact Mission" (AIM). So sollen sich Umlaufbahn und Rotation von Didymoon verändern. Künftig könnten weitere Asteroiden vielleicht ähnlich abgewehrt werden.

Um die Asteroidenattacke vorzubereiten, schickt die Esa bereits im Oktober 2020 per Sojus-Rakete eine Sonde auf den Weg. "Der Flug dauert rund eineinhalb Jahre, die Sonde muss im Oktober 2022 vor Ort sein", sagt AIM-Projektmanager Carnelli. Die Sonde beobachtet, sammelt Daten und schickt ein Landemodul auf Didymoon. Der Brocken im All hat einen weiteren Fels im Schlepptau, zusammen bilden sie die Didymos-Zwillings-Asteroiden. Der größere Zwilling durchmisst 800 Meter, umkreist wird er von Didymoon, mit 170 Metern Durchmesser. Ende 2022 sind beide mit elf Millionen Kilometern vergleichsweise nahe an der Erde.

Nach dem Einschlag der DART-Sonde, die von der Nasa losgeschickt wird, beobachtet die Esa-Sonde die Asteroiden weiterhin. Aus Vorher-Nachher-Vergleichen sollen praktische Erkenntnisse auf die theoretischen Berechnungen folgen. So könne künftig eine Art Asteroiden-Frühwarnsystem entwickelt werden.

Mehr als 600.000 Asteroiden sind in unserem Sonnensystem bekannt, gut 12.000 davon gelten als erdnahe Objekte, sogenannte Neos. Ihre Umlaufbahnen kommen der Erde relativ nah. Auf der Risiko-Liste der Nasa stehen 494 Neos. Carnelli schätzt rund 30 bis 40 Asteroiden als "gefährlich" für die Erde ein.