Superschwärze, die

aus Super (lat. über) und Schwärze

Ob Schwarz eine Farbe ist, diese Spitzfindigkeit – nebst der physikalischen Erläuterung, nein, Schwarz sei eben keine, Schwärze sei eher ein Zustand, nämlich die Abwesenheit von Licht –, diese Spitzfindigkeit kann jedes Kind ins Reich des Alltagsirrelevanten verweisen. Mit einem Fingerzeig auf seinen Farbkasten. Worum aber handelt es sich bei Superschwärze?

So bezeichnet die Nasa ein Schwarz, das schwärzer als gewöhnliche Schwärze ist. Nimmt man die lateinische Vorsilbe wörtlich, dann bedeutet das zusammengesetzte Wort: überschwarz. Tatsächlich übertrifft die Schwärze, um die es dabei geht, andere hinsichtlich ihrer Absorption. Sie reflektiert also weniger Licht.

Das besitzt durchaus Alltagsrelevanz, zumindest im Weltall bei empfindlichen optischen Instrumenten, wie sie an Bord von Satelliten eingesetzt werden. Oft messen diese ja sehr schwache – weil weit entfernte – Signale. Streulicht stört da sehr.

Nun darf man sich Superschwärze aber nicht als Farbton aus der Lackiererei der Satellitenbauer vorstellen, man kann nicht einfach ein Instrument superschwarz anmalen. Zehn bis hundert Mal weniger Reflexion als bei Normalschwarz, das erreichen die Ingenieure nur mit einer Beschichtung aus Kohlenstoff-Nanoröhrchen, die vertikal von einer Oberfläche abstehen wie die Zotteln eines Flokatis. Diese Röhrchen sind innen hohl, und bildlich gesprochen schlucken sie Licht daher besonders gut. Ist Superschwärze also ...? Nein, es handelt sich weniger um eine Farbe als um eine spezielle Beschichtung.

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Klonschaf, Genomanalyse und Suchmaschine – noch vor ein, zwei Jahrzehnten hätte kaum ein Zeitgenosse damit etwas anzufangen gewusst, mittlerweile dürften praktisch jedem diese Vokabeln geläufig sein. Die Neuzugänge in unserem Vokabular zeigen, wie sich unsere Welt verändert hat. Aber welche Spuren werden just in diesem Moment hinterlassen? Stefan Schmitt sucht in der Kolumne "Worte von morgen" diese Vokabeln. Im Buch "Von der Digitaldemenz zum Infoveganer" stecken 99 weitere Worte von morgen. Folgen Sie @wortevonmorgen auch auf Twitter.