Weltweit ist die Zahl der vom Aussterben bedrohten Tiere und Pflanzen binnen Jahresfrist um mehrere Hundert gestiegen und liegt nun bei knapp 23.000. Neben der Zerstörung des Lebensraumes spiele auch das viel zu intensive Sammeln von Pflanzen für medizinische Zwecke eine große Rolle, teilte die Weltnaturschutzunion IUCN bei der Vorlage der neuesten Roten Liste mit. Sie gilt als wichtiger Indikator für den Zustand der Natur.

Beispiel Indien: Hier wurden nun 44 als medizinisch wirksam geltende Pflanzen als bedroht eingestuft. Ihre Wurzeln und Knollen werden offenbar in großen Mengen in der ayurvedischen Medizin und in der Homöopathie eingesetzt.

Doch es gibt auch Positives zu vermelden: So verdreifachte sich etwa der Bestand vom Iberischen Luchs binnen zehn Jahren auf 150 erwachsene Tiere. Auch den Guadalupe-Seebären geht es besser. Von nur wenigen Hundert Exemplaren in den 1950er Jahren hätten sich die Bestände im südlichen Kalifornien heute erholt. Es sollen nun 20.000 sein.

Insgesamt sieht es jedoch weniger gut aus. Gründe für die kritische Situation einzelner Pflanzen und Tiere seien in vier von fünf Fällen der Verlust und die Verarmung des Lebensraums, der illegale Handel und die Verdrängung durch andere Arten, heißt es. Die Liste müsse ein Weckruf sein, der an die zunehmende Verwundbarkeit der Natur erinnere, sagte IUCN-Direktorin Inger Andersen. Im aktuellen Bericht wurden mehr als 77.000 Arten genau auf ihre Gefährdung untersucht.

Löwen-Bestände sinken

Zu den immer bedrohteren Arten zählen laut IUCN die Afrikanische Goldkatze, der Neuseeländische Seelöwe sowie der Löwe. Trotz einiger Schutzerfolge im südlichen Afrika gingen die Löwen-Bestände im Westen und Osten des Kontinents deutlich zurück, beklagte die Weltnaturschutzunion.

Unter den Pflanzen sind den Angaben zufolge viele Frauenschuharten in den asiatischen Tropen extrem bedroht. Zwar stünden die Orchideen unter dem Artenschutzabkommen Cites. Aber mangels strafrechtlicher Verfolgung gäbe es viel illegalen Handel. Auch wenn es die Pflanzen in künstlichen Kulturen gebe, bedeute ihr Verlust in der Wildnis eine erhebliche Verarmung für die genetische Vielfalt.

Forscher der US-Universitäten Princeton, Stanford und Berkeley haben am vergangenen Freitag Befunde veröffentlicht, die eine sechste Welle des Massenaussterbens belegen sollen. In einem Artikel im Wissenschaftsmagazin Science Advances berichten sie, dass die Arten hundertmal schneller aussterben als in früheren Phasen. "Die Rate im zurückliegenden Jahrhundert war bis zu 114-mal höher, als sie es ohne menschliche Aktivität gewesen wäre", heißt es in der Studie. Ohne ein gezieltes Gegensteuern würde es Millionen Jahre dauern, bis sich der Planet wieder erholen könne, so Hauptautor Gerardo Ceballos.

Für die Autoren besteht kein Zweifel daran, dass die sechste große Welle des Massenaussterbens bereits eingetreten ist. Die Gründe dafür sehen die Forscher unter anderem in der Klimaerwärmung, im Umweltschutz und der Waldrodung.