Als Reaktion auf den Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen empfiehlt eine EU-Arbeitsgruppe psychologische Untersuchungen für alle Piloten. Jeder Pilot solle während seiner Ausbildung oder vor Dienstantritt psychologischen Tests unterzogen werden, heißt es in dem Bericht, den die EU-Kommission veröffentlichte.

Darüber hinaus empfiehlt die Arbeitsgruppe Drogen- und Alkoholtests. Details zu Arztbesuchen sollen in einer europaweiten Datenbank gespeichert werden. Ziel der Maßnahmen müsse ein "Gleichgewicht zwischen medizinischer Schweigepflicht und Sicherheit" sein.     

Die Arbeitsgruppe spricht sich außerdem dafür aus, dass ein Pilot nie alleine im Cockpit sein darf. Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine war die sogenannte Zwei-Personen-Regel heftig diskutiert worden, da der Copilot zum Zeitpunkt des Absturzes allein im Cockpit war. Den Flugkapitän hatte er zuvor ausgesperrt.

Die Zwei-Personen-Regel ist in den USA schon lange Pflicht; nach dem Germanwings-Absturz hatten sie auch viele europäische Fluggesellschaften eingeführt. Einige Piloten hatten dies als Scheinaktionismus kritisiert und argumentiert, die Regel biete keinen wirksamen Schutz vor einem absichtlich herbeigeführten Absturz. Die EU-Arbeitsgruppe rät dazu, das Prinzip vorerst anzuwenden und den Nutzen in einem Jahr erneut zu evaluieren.

Den Mechanismus von Cockpittüren zu ändern, hält die EU-Arbeitsgruppe derzeit nicht für erforderlich. Der Copilot des Germanwings-Fluges hatte den Kapitän durch einen elektronischen Verriegelungsmechanismus aussperren können; seit dem 11. September 2001 sind Cockpittüren so gesichert, dass die Piloten ein unbefugtes Betreten des Cockpits durch entsprechende Einstellungen verhindern können. Das daraus resultierende Risiko könne jedoch durch die Zwei-Personen-Regel reduziert werden, heißt es in dem Bericht.       

Für den Abschlussbericht hatten Vertreter von Fluggesellschaften, Arbeitnehmern und Behörden sowie medizinische Experten zwei Monate lang unter Leitung der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA bestehende europäische Regelungen unter die Lupe genommen. Auch die Ergebnisse des Zwischenberichts der französischen Behörde für zivile Luftfahrt-Sicherheitsuntersuchung BEA wurden berücksichtigt. Das EU-Papier soll als Arbeitsgrundlage für spätere Empfehlungen an die Flugbranche und für mögliche Gesetzesänderungen dienen.   

Ein Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings war am 24. März auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben, unter ihnen 72 Deutsche. Den Ermittlungen zufolge ließ Copilot Andreas L. den Airbus absichtlich abstürzen. Der 27-Jährige hatte psychische Probleme.