ZEIT ONLINE: New Horizons hat in den vergangenen Wochen beeindruckende Bilder von Plutos Oberfläche zur Erde geschickt. Wie gut kennen wir den Zwergplaneten jetzt?

Alan Stern: Es gibt vieles, das wir noch nicht beurteilen können, denn 96 Prozent der Daten liegen noch im Speicher der Sonde. Wir haben also gerade mal an der Oberfläche des Pluto gekratzt. Die größten Entdeckungen liegen noch vor uns. Auch viele der Dinge, die wir bis jetzt gesehen haben, können wir noch nicht ausreichend interpretieren.

ZEIT ONLINE: Auf den Bildern, die bisher veröffentlicht wurden, sind unter anderem große Eisflächen und Berge von mehr als 3000 Metern Höhe zu sehen. Wissen Sie bereits, woraus diese Strukturen bestehen?

Astronomie - New-Horizons-Mission entdeckt Gletscher und Nebel auf dem Pluto Die Nasa-Sonde New Horizons hat Nebel und gletscherartige Strukturen auf dem Zwergplaneten Pluto entdeckt. Ein neues Foto zeige den Nasa-Wissenschaftlern zufolge sogar zwei dichte Nebelschichten.

Stern: Die Analyse des Lichtes von Plutos Oberfläche zeigt, dass sie reich an Stickstoff ist. Dieser ist bei den niedrigen Temperaturen zwar fest, aber dennoch noch viel zu weich, um Berge zu formen. Stickstoffberge würden unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen. Wir sind deshalb ziemlich sicher, dass die Berge auf den Bildern aus Wassereis bestehen. Der Stickstoff ist wahrscheinlich ein weicher Guss, der den gesamten Pluto überzieht.

ZEIT ONLINE: Wie finden Sie es vor dem Hintergrund der ersten Bilder, dass Pluto von der International Astronomical Union der Planetenstatus aberkannt wurde?

Stern: Es sollten denen reichlich peinlich sein. Ich glaube, jetzt sehen alle Pluto und sagen "Hey, das ist wirklich ein Planet". Wir Planetenforscher nennen Objekte wie Pluto auch weiterhin Planeten.

ZEIT ONLINE: Für Wissenschaftler sind die Erkenntnisse der New-Horizons-Mission sicher sehr aufregend, aber warum ist es für uns Menschen wichtig zu wissen, wie dieser Himmelskörper am Rande unseres Sonnensystems beschaffen ist?

Stern: Dies ist unser erster Besuch bei einem Planeten einer neuen Art. Wenn wir seine Entstehung verstehen, dann sagt uns das auch etwas über die Entstehung der Erde. Plutos Monde zum Beispiel wurden in einem ähnliches Prozess geschaffen wie der Mond der Erde, der unseren Planeten ja extrem beeinflusst.

ZEIT ONLINE: Aber warum sollte es mich interessieren, wie unser Mond entstanden ist?

Stern: Forschung ist einfach etwas, das entwickelte Gesellschaften tun. Die Medien-Resonanz der letzten Woche ist die größte in der Geschichte der Nasa; das zeigt uns, dass Menschen die Erforschung des Weltraums lieben. Von sehr großer Bedeutung ist aber auch, dass vor allem Kinder sehen, wie cool eine Karriere in Technologie und Wissenschaft sein kann.

ZEIT ONLINE: Sie haben einmal gesagt, dass gerade die New Horizons Mission besonders wichtig sei. Warum?

Stern: Sie ist der Schlussstein der Entdeckung unseres Sonnensystems, die mit den Voyager-Sonden begann. Bahnbrechend ist New Horizons zudem, weil sie die erste Mission ihrer Art ist – sie fliegt als erste Sonde an Pluto und somit an einer komplett neuen Art von Planet vorbei. Natürlich ist jede Mars Mission wichtig, aber wir haben bereits Dutzende hinter uns, auch jede Jupiter Mission ist wichtig aber New Horizons war die achte Sonde, die am Gasriesen vorbeigeflogen ist. Ich erwarte, dass künftige Generationen auf die New Horizons Mission so zurückschauen werden wie wir heute auf die Voyager-Sonden oder die Reise zum Mond.