"So ziemlich jeder auf der Erde mit einem Radio kann die Internationale Raumstation anrufen und mit den Astronauten sprechen", titelte das Magazin Quartz am Wochenende. Small Talk in den Orbit. Wie cool ist das denn bitte? Aber halt. Ganz so einfach ist es nicht, mal eben so auf der ISS anzurufen. Aber auch nicht unmöglich. Mit ein bisschen Know-how, Technik und – ohne Bürokratie geht's eben nicht – einer Lizenz kann tatsächlich so ziemlich jeder die Raumstation kontaktieren. Also los.

Die Technik der Wahl, um einen Astronauten an die Strippe zu bekommen, ist der gute alte Amateurfunk. Hobbyfunker haben mithilfe der Weltraumagenturen nämlich Sende- und Empfangsstationen an Bord der ISS bringen lassen. Das Prinzip ist ähnlich wie beim Radio: Irgendwo sitzt jemand mit einem Sender und verbreitet eine Nachricht auf einer bestimmten Frequenz. Wer ein entsprechendes Empfangsgerät besitzt, kann die Botschaft hören und – sofern er oder sie selbst einen Sender besitzt – antworten.

Damit Amateurfunker sich im Gewirr der Wellen finden und zum Beispiel dem Rundfunk nicht in die Quere kommen, sind für sie bestimmte Wellenlängen reserviert. Radiosender benutzen Ultrakurzwellen mit einer Frequenz um die 100 Megahertz. Hobbyfunker dürfen auf bestimmten Wellen mit kleinerer oder größerer Wellenlänge senden – allerdings nur mit einer Lizenz.

Die Amateurfunkprüfung nimmt die Bundesnetzagentur ab. "Um die ISS zu kontaktieren, reicht eine Einsteigerlizenz der Klasse E", sagt Stefan Scharfenstein vom Deutschen Amateur-Radio-Club. Die Prüfungen an verschiedenen Standorten in der Republik finden alle paar Wochen statt, 80 Euro kosten sie für Einsteiger. Wer schon beim nächsten freien Termin am 21. September in München teilnehmen will, hat bis dahin aber noch eine ganze Menge zu lernen.

Der Fragenkatalog für die Einsteigerprüfung umfasst 48 Seiten mit technischen Kenntnissen und 92 Seiten betriebliche Kenntnisse sowie haufenweise Vorschriften. "Bei uns in Bad Honnef dauert die Vorbereitung auf die Prüfung von November bis März. Das sind 20 Übungseinheiten à zwei Stunden. Zusätzlich müssen die Anwärter sich auch zu Hause noch vorbereiten", sagt Amateurfunker Scharfenstein.

400 Kilometer Entfernung sind ja nicht viel

Ist die Prüfung einmal bestanden, kann es losgehen mit den Funkversuchen zur ISS. "Im Prinzip reicht dafür ein einfaches Handfunkgerät", sagt Scharfenstein. "Wenn sich die Raumstation über Ihnen befindet, ist die Entfernung an sich ja nicht groß, das sind 400 Kilometer und es sind keine Hindernisse dazwischen. Es empfiehlt sich aber eine drehbare Antenne, da die ISS ständig ihre Position ändert." Zur Wahl der ersten eigenen Funkstation bietet der US-amerikanische Amateurfunkverband ausführliche Tipps, allerdings in englischer Sprache.

Ist das Equipment einmal da, geht es eigentlich nur noch um den richtigen Zeitpunkt für den Anruf bei der ISS. Ein Funkkontakt ist nur so lange möglich, wie die Raumstation am Himmel zu sehen ist. Maximal sind das 20 Minuten, sagt Scharfenstein. Wann die ISS den eigenen Standort überfliegt, lässt sich beispielsweise auf einer Website der Nasa oder der Amateurfunkvereinigung Amsat berechnen. Auf welchen Frequenzen die Raumstation erreichbar ist, listet Ariss (Amateur Radio on the International Space Station) auf, also die Website jener Vereinigung, die das technische Equipment an Bord der ISS bringen ließ.