Die Beerdigung war eines Helden würdig. Dumm nur, dass die Nasa ihn bloß fälschlicherweise für tot hält, und er rund 225.000.000 Kilometer von der Erde entfernt einsam um sein Leben kämpft: Gestatten, Mark Watney, Astronaut der Ares-III-Crew, nach einem überstürzten Abbruch der Mission versehentlich zurückgelassen auf dem Mars. Was man da sagen soll? Wohl kaum so etwas wie "Entschuldigung, wir haben uns geirrt. Mit freundlichen Grüßen, Nasa", da ist sich Annie Montrose (Kristen Wiig), PR-Chefin der amerikanischen Raumfahrtbehörde sicher.

Und so beginnt auf dem blauen Planeten eine groß angelegte, medienwirksame Rettungsaktion, um den Fehler wiedergutzumachen. Währenddessen züchtet Watney auf dem roten Planeten erstmals Kartoffeln, gewinnt Wasser und feiert damit so manche technische Errungenschaften. Im Zentrum der Aufmerksamkeit: ein auffallend munterer, von sich überzeugter Astronaut und eine auffallend muntere, von sich selbst überzeugte Nasa. Der PR sei Dank – im Film wie in der Realität.

Der Marsianer, nach dem gleichnamigen Debütroman von Andy Weir, will so wenig Fiction und so viel Science wie möglich sein. Damit rühmen sich Macher und Berater gleichermaßen. Wie Menschen sich in der Schwerelosigkeit bewegen? Astronauten der Nasa haben es den Schauspielern beigebracht. Die einzig wahre Unterkunft für ein Leben auf dem Mars? Die Angestellten der Weltraumbehörde üben schon heute eifrig mit Hera, kurz für "Human Exploration Research Analog", wie es sich erdähnlich auf wenig Raum in den Tiefen des Alls leben lässt. Ihr bisheriges Wissen haben sie mit der Crew geteilt. Auch die Fahrzeuge, Raumanzüge, Sauerstoff- und Wasseraufbereitungsanlagen – alles ließ Regisseur Ridley Scott nach dem Vorbild der Forschungslabore zu Ende denken.

Bestmöglich in Szene gesetzt

Zum Teil liegt das am Roman selbst. Autor Weir arbeitete unter der Prämisse, sein Buch so realistisch wie möglich zu gestalten und verwies stets auf bereits existierende Techniken. Die Mitarbeiter der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde aber haben ihre Chance erkannt, sich selbst bestmöglich in Szene zu setzen und tragen es mit aller Macht nach außen.

Da erstrahlen in der Wirklichkeit überwiegend graue Betonkomplexe im Film plötzlich vor Chrom und bodentiefen Fenstern. Wähnt der Zuschauer sich nicht in den Gebäuden der Institute, so springt einem irgendwoher das eingängig schlichte Logo entgegen – von Pappbechern, T-Shirts, Türen, Autos, Anstecknadeln. In der Realität wiederum schreiten Astronauten Seit’ an Seit’ mit den Darstellern über den roten Teppich. Und Matt Damon, der den talentierten Mister Watney gibt, erklärt in einem fünfminütigen Video, was die Nasa alles Tolles kann. Als wäre er selbst durch das All gereist und daher Fachmann für Marsmissionen. Denn schließlich ist ja kaum etwas in diesem Hollywood-Film Fiktion, sondern führt schon heute vor, was unausweichlich scheint: eine bemannte Reise zum Mars.

"Auch wenn all das in der Zukunft spielt, entwickelt die Nasa schon jetzt zahlreiche der Technologien, die im Film gezeigt werden", schreibt die Behörde. In zwei Jahrzehnten wollen ihre Mitarbeiter Menschen zum Mars schicken, um den Planeten vor Ort genau zu untersuchen, Proben auszuwerten und langfristig gedacht eine Ansiedlung vorzubereiten. Mehr als ein Jahr würde solch eine erste Mission dauern, inklusive monatelanger Hin- und Rückreise.

Der Traum existiert seit die Sonde Mariner 4 am 15. Juli 1965 die ersten Nahaufnahmen des Planeten lieferte, insgesamt 22 Stück. Es folgten weitere Vorbeiflüge, Satelliten in der Umlaufbahn, Lander auf der Oberfläche und letztlich ferngesteuerte Fahrzeuge. Opportunity, gelandet 2004, und Curiosity, der 2012 ankam, sind noch immer in Betrieb. Die Gerätschaften sammelten zahlreiche Informationen über den Erdnachbarn: Die Atmosphäre ist äußerst dünn, sie besteht zu mehr als 95 Prozent aus Kohlendioxid, es gibt heftige Stürme, nach jetzigen Kenntnissen ab und an wohl flüssiges Schmelzwasser, Vegetation Fehlanzeige, die Temperatur beträgt im Mittel etwa  minus 55 Grad Celsius, wobei es in Äquatornähe auch mal 20 Grad haben kann. Alles in allem: kein Ort, an dem man unbedingt länger sein möchte.

Ein Kinofilm kommt da gerade recht, um etwaige Zweifel an Sinn und Erfolg des vom US-Präsidenten geförderten, milliardenschweren Projekts zu zerstreuen. Auch will die Nasa deutlich machen: Die Amerikaner führen das Rennen um den Roten Planeten an. Denn nicht allein sie wollen den Mars besiedeln, die europäische Raumfahrtagentur ESA und das russische Pendant Roskosmos planen ebenfalls bemannte Missionen. Zunächst steht für das Frühjahr 2016 allerdings der Start des ExoMars Rovers an.