"Ja, es ist eine Möglichkeit, dass der moderne Mensch diesen Weg genommen hat", sagt Jean-Jacques Hublin, ein Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Doch zu behaupten, es sei die erste, gar einzige Route, hält er für überzogen. Auch weil sich nicht bestreiten lasse, dass es im östlichen Mittelmeerraum sehr früh Bevölkerungen des modernen Menschen gegeben hat.

Wissen müsse man zudem: "Viele Generation von chinesischen Wissenschaftlern wollen nicht wahrhaben, dass der moderne Mensch in Afrika entstanden ist", sagt Hublin. Alle vier, fünf Jahre gäbe es eine Studie, mit der Forscher Belege für die Existenz besonders früher moderner Menschen in China anführen. Zuletzt war das ein Unterkieferknochen, vermeintlich eines Homo sapiens oder Homo erectus, dessen Herkunft und Datierung unter Wissenschaftlern letztlich als äußerst fraglich eingestuft wurden (Lui et al., 2010; Dennell, 2010; Kaifu & Fujita, 2012).

"Ehrlich gesagt, hat mich dieser aktuelle Fund doch sehr überrascht", sagt Hublin. Er passe einfach nicht zu gängigen Theorien. "Natürlich müssen wir für andere Optionen offen sein, doch diese Zähne sehen einfach sehr modern aus." So finden sich an manchen Stücken Spuren von Karies. Den aber gab es nur äußerst selten und er setzt eine bestimmte Ernährung voraus. Allerdings: Auch eine ihm bekannte, spanische Forscherin habe die Zähne analysiert. "Deshalb zweifle ich nicht am Alter. Die Datierung der Höhle ist ebenfalls schlüssig", aber man könne halt nicht wissen, wie die Zähne dorthin gelangt seien, sagt Hublin. "Dass die Zähne von woanders eingebracht wurden, ist die einzige alternative Erklärung, wollte man diesen Beleg zurückweisen."

47 Zähne beenden die Debatte um die Wanderung des Menschen also nicht, sie regen sie an. Die Fundstücke mahnen, beide Theorien ernst zu nehmen – entweder der Mensch gelangte direkt nach Südchina oder aber er wählte die Nordroute über Europa und Nordchina. Um Klarheit zu schaffen, braucht es mehr Fossilien. In den Höhlen Südchinas wird noch so manches Überbleibsel zu finden sein. Und sicherlich manch neue Frage.