Ordnung muss sein. Deshalb hat ein kürzlich entdeckter Exoplanet keinen pompösen Namen, sondern eine klassische Katalognummer verpasst bekommen: GJ 1132b. Und das, obwohl er der nächste erdähnliche Planet ist, der derzeit bekannt ist. Wie ein Team um den Astronomen Zachory Berta-Thompson vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) berichtet, liegt GJ 1132b in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft und ist in etwa so groß und massereich wie die Erde (Nature, 2015).

Die Forscher haben den Himmelskörper mithilfe des MEarth South Array entdeckt, einer aus acht Teleskopen mit jeweils 40 Zentimetern Öffnung bestehenden Anlage auf dem Cerro Tololo in Chile. Ihre Aufnahmen zeigen: Die Heimat des Exoplaneten ist ein roter Zwergstern, der 39 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt liegt. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, und entspricht fast zehn Billionen Kilometern. "Unsere Galaxie erstreckt sich über 100.000 Lichtjahre. Dies ist also definitiv ein sehr naher Stern aus der solaren Nachbarschaft", sagt Berta-Thompson in einer MIT-Mitteilung.

Mini-Finsternis ermöglichte Entdeckung

Der Planet kreist mit nur 2,25 Millionen Kilometern Entfernung um seinen Heimatstern. Das ist 25 Mal dichter, als sich der Merkur als innerster Planet unseres Systems um die Sonne bewegt. Alle 1,6 Tage zieht der Exoplanet von der Erde aus gesehen vor seinem Heimatstern vorbei und schattet ihn damit ein wenig ab. Dank dieser regelmäßigen Mini-Finsternis haben die Astronomen den Planeten entdeckt. Sie verdunkelt den Stern jedes Mal um 0,3 Prozent, was den Forschern die Größe des Planeten verriet.

Zudem zieht der Planet mit seiner Schwerkraft an seinem Heimatstern, der dadurch leicht hin- und herschwankt. Aus der Stärke der Schwankung ließ sich die Masse des Exoplaneten berechnen. GJ 1132b ist demnach 16 Prozent größer als die Erde und besitzt 60 Prozent mehr Masse. Er hat also eine ähnliche Dichte und muss daher ebenfalls ein Gesteinsplanet sein.

Die folgende Animation zeigt die Distanzen bekannter Exoplaneten-Systeme in Lichtjahren. Deutlich wird, dass GJ 1132b der Erde um einiges näher ist als vergleichbare Himmelskörper:

Obwohl der rote Zwergstern von GJ 1132b nur ein Fünftel so groß ist wie unsere Sonne und lediglich ein Zweihundertstel so viel Licht abstrahlt, wird es auf dem Exoplaneten durch die enge Umlaufbahn bis zu 230 Grad Celsius heiß. Zu warm also, um bewohnbar zu sein, sagt Berta-Thompson: "Es gibt keine Chance für flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche."

Allerdings ist der Brocken auffallend kühler als andere bekannte Gesteinsexoplaneten. Die Forscher nehmen daher an, dass GJ 1132b eine Atmosphäre ähnlich der Venus in unserem Sonnensystem besitzt, die sich dank der vergleichsweise geringen Entfernung mit Teleskopen analysieren ließe. "Unser größtes Ziel ist die Entdeckung eines Zwillings der Erde", sagt der an der Studie beteiligte David Charbonneau vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik. "Auf dem Weg dahin haben wir einen Zwilling der Venus entdeckt."

Tess und James sind die Zukunft

Die Suche nach anderen Welten, die Leben beheimaten könnten, dauert also an. Neue Technologien erhöhen dabei die Chancen für Entdeckungen, schreibt Drake Deming in einem begleitenden Artikel. In den vergangenen Jahren sei das Kepler-Teleskop von weitreichender Bedeutung gewesen, sagt der Astronom der University of Maryland weiter. "Es nutzte das Transitverfahren, um so viele Planeten wie möglich in einem kleinen Bereich des Himmels zu finden." Mehr als 130 extrasolare Planeten und rund 3.000 Kandidaten spürten Astronomen so auf. Das Gerät ist jedoch bloß noch bedingt einsatzfähig.

Deshalb wird die Nasa 2017 einen neues Satellitensystem namens Tess (Transiting Exoplanet Survey Satellite) ins All schicken. Es soll wie Kepler nach Sternen suchen, die gelegentlich durch einen vorbeiziehenden Planeten verdunkelt werden. Zwei Jahre soll es dauern, bis Forscher mit dem System den Himmel abgesucht haben. Was dann noch nicht entdeckt ist, soll das James Webb Space Telescope aufspüren. Im Herbst 2018 soll der Nachfolger des Hubble-Teleskops starten.