Update, 10. Dezember 2015: Wie die japanische Raumfahrtagentur JAXA bekannt gegeben hat, ist es der Sonde Akatsuki gelungen, in den Venus-Orbit einzuschwenken. Sie umkreise den Planeten in 400 bis 440.000 Kilometern Höhe auf einer eliptischen Bahn. Um die Venus ein Mal zu umrunden, benötigt "Akatsuki" 13 Tage und 14 Stunden. Nun wolle man die wissenschaftlichen Instrumente testen, um zeitnah Experimente mit ihnen durchzuführen.

Geduld sei die Kunst, nur langsam wütend zu werden, lautet ein japanisches Sprichwort. Für die Crew der Raumfahrtmission Akatsuki ist es wohl eher die Kunst, ein zum Scheitern verurteiltes Projekt doch noch erfolgreich zu Ende zu bringen. Die Sonde "Morgendämmerung", wie Akatsuki auf Deutsch heißt, ist am Montag nach jetziger Kenntnis in die Umlaufbahn der Venus eingeschwenkt – fünf Jahre verspätet, aber wohl einsatzbereit.

Akatsuki ist eine von rund 50 Raumsonden, die sich zum inneren Nachbarplaneten der Erde aufgemacht haben. Keine der anderen ist bisher aber einsatzbereit. Entsprechend wenig ist über die Venus bekannt. Was Forscher wissen: Der Planet ist eine schummrige Welt. In grober Struktur und Größe ähnelt er der Erde. Die sich rasch verändernde, stets dicke Atmosphäre der Venus ist jedoch toxisch und besteht vor allem aus Kohlendioxid und Stickstoff. An der Oberfläche des Planeten herrschen starke vulkanische Aktivität und große Hitze. Mit Temperaturen um 465 Grad Celsius ist es auf dem Himmelskörper, der sich rund 108.200.000 Kilometer von der Sonne entfernt befindet, extrem heiß. Flüssiges Wasser gibt es auf der Venus nicht.

Damit ist der Erdnachbar weniger verstanden als der Mars – für Astronomen ein unerträglicher Zustand. Aufgabe der Akatsuki-Sonde der Japan Aerospace Exploration Agency (Jaxa) ist es deshalb, mehr über sie, vor allem über ihre Atmosphäre, herauszufinden. Die Sonde sollte in einen Orbit in bis zu 300.000 Kilometern Höhe über der Venus-Oberfläche eintreten, um die meteorologischen Phänomene dort zu beobachten. So soll Akatsuki dichte Wolken um die Venus in drei Dimensionen studieren und aufklären, wie starke Winde mit Geschwindigkeiten von mehr als 100 Metern pro Sekunde ein Phänomen ihrer Atmosphäre verursacht, das Forscher als Superrotation bezeichnen.

Ausgebremst vom Bremsmanöver

Bereits 2010 war Akatsuki gestartet. Wenige Monate später erreichte das Gefährt planmäßig die Venus – kam dann aber nicht rechtzeitig zum Halt, um sich vom Planeten anziehen zu lassen. Salzablagerungen hatten die entscheidenden Geräte blockiert. 

Forscher aus aller Welt hatten den Japanern für den erneuten Venus-Anflug die Daumen gedrückt, hatte die Raumfahrtagentur des Landes doch eher mit misslungenen Missionen von sich Reden gemacht. Zwischen 1998 und 2003 etwa war sie mit dem Versuch gescheitert, eine Raumsonde im Orbit um den Mars zu platzieren. Akatsuki ist nun die erste japanische Raumsonde in der Umlaufbahn eines anderen Planeten – Aufgeben kam für die Wissenschaftler nicht in Frage.

Die vergangenen fünf Jahre hat das Raumfahrzeug die Sonne umkreist und auf den richtigen Moment gewartet, um die Venus neu ins Visier zu nehmen. Nun standen die Planeten günstig genug für den zweiten Versuch. "Es war eine recht lange Wartezeit", sagte Masato Nakamura, Jaxa-Projektmanager, zu Journalisten von Nature News.

20 Minuten Energieschub müssen reichen

Um 8.51 Uhr japanischer Zeit war es so weit. Aus vier neu programmierten Schubdüsen ließ Nakamuras Team in der Nacht zu Montag gleichzeitig feuern, damit Akatsuki wirklich richtig einschwenkt. "Wir bestätigen, dass die Düsen wie geplant für 20 Minuten liefen", heißt es in einer Jaxa-Pressemitteilung. Der Sonde gehe es gut, die Kommunikation stehe, sagt Nakamura.

Wie gut tatsächlich, muss sich noch zeigen. Die Nähe zur Sonne könnte die technischen Geräte an Bord zu stark aufgeheizt und im schlimmsten Fall unbrauchbar gemacht haben. Derzeit werten die Forscher die aktuellen Daten aus und berechnen die genaue Position der Sonde nach dem Energieschub. Hat die Schwerkraft der Venus Akatsuki wirklich eingefangen? Umläuft sie den Planeten auf dem richtigen Pfad? Es werde ein paar Tage dauern, um das endgültig sagen zu können, teilte die Jaxa mit. Erste Ergebnisse wolle man am Mittwoch veröffentlichen.

Sollte die Mission Erfolg haben, wäre Akatsuki der vorerst einzige Beobachtungsposten an der Venus. Vergangenes Jahr hatte die Sonde Venus Express der europäischen Raumfahrtagentur Esa den Dienst eingestellt. Acht Jahre war sie um den Planeten gekreist. Nicht vor 2020 wird – wenn überhaupt – die amerikanische Weltraumagentur Nasa eine weitere Venus-Mission starten.