Wer braucht schon Schlaf! Gehen Sie lieber raus, legen Sie den Kopf in den Nacken und genießen Sie einen außerordentlichen Lichtregen: Gleich zwei Sternschnuppen-Feuerwerke gibt es in diesen Tagen: die Geminiden und Ursiden. Beide Meteorschauer sind mehrere Nächte lang zu bestaunen.

Partikel trifft Erdatmosphäre

Sie finden Sternschnuppen romantisch, wollen sich gar etwas wünschen? Die aufblitzenden Glücksbringer sind allerdings im Wesentlichen leuchtender Dreck: Gesteinspartikel, Meteore genannt, die nur wenige Millimeter groß sind, dafür aber extrem schnell. Sie treffen mit einer Geschwindigkeit von mehr als 200.000 Kilometern pro Stunde auf die Erdatmosphäre. Luftteilchen bremsen die Partikel ab, die sich durch die Reibung so stark aufheizen, dass das Gestein zu verdampfen beginnt. Es bildet sich eine Gashülle; trifft sie auf Moleküle, wird das Gas ionisiert, die Atome senden Licht aus und hinterlassen ihre Spuren als Sternschnuppen am Himmel. Kreuzt unser Planet gerade so einen Meteorstrom, sehen wir ein astronomisches Feuerwerk.

Die Bahnen des Stroms scheinen dabei von einem einzelnen Punkt auszugehen, dem Radianten. Von seiner Lage im Sternsystem hängt der Name des Meteorstroms ab. Die Geminiden etwa entspringen dem Sternbild Zwilling (Gemini), die Ursiden dem Kleinen Bären; auf Latein ist der ein Bärenweibchen: Ursa Minor.

Inzwischen sind zahlreiche Ströme bekannt, mit denen die Erde regelmäßig kollidiert. Die Liste der alljährlichen Himmelsspektakel umfasst rund 75 Ereignisse, allerdings ist nicht jedes gleich intensiv. Zu den stärker leuchtenden gehören die Perseiden, Quadrantinen und Geminiden, bedeutend schwächer sind die Ursiden.

Die letzten beiden stehen jetzt bevor. So machen sich die Geminiden bis zum 17. Dezember besonders bemerkbar. Die meisten Sternschnuppen erwarten Astronomen in der Nacht vom 13. (Sonntag) zum 14. Dezember – am Morgen – und am darauf folgenden Abend und in der Nacht. "Die Geminiden sind momentan der ergiebigste Strom der Sternschnuppen", sagte Sirko Molau von der Vereinigung der Sternfreunde. Stündlich könnten bis zu 120 Meteore über den Himmel ziehen. Sie dürften mit bloßem Auge gut zu sehen sein, sofern es nicht bewölkt ist. Das Licht des Mondes stört nicht. "Er ist nur eine kleine Sichel."

Nach den Geminiden folgt der Ursidenstrom. Dessen Maximum wird in der Nacht zum 23. Dezember gegen Mitternacht erwartet. Er ist deutlich schwächer, manche Astronomen erwarten höchstens 20 Sternschnuppen pro Stunde. Molau rechnet sogar mit noch weniger: "Das ist ein kleiner Strom, der auch vom Mond gestört wird. Mehr als drei Meteore pro Stunde wird man kaum zu sehen bekommen."

Wo kann ich sie sehen?

Sichtbar sind die Sternschnuppen von allen Orten, an denen es recht dunkel ist, sprich keine künstliche Beleuchtung den Nachthimmel aufhellt. Am besten eignen sich Aussichtsorte mit freiem Rundumblick – der Nachthimmel sollte möglichst wolkenlos sein. "Da die Radianten beider Meteorströme hoch über dem Horizont stehen, können sie die ganze Nacht beobachtet werden", sagt Manfred Gaida vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Sternfreund Molau empfiehlt zudem, die Wetterkarte im Blick zu behalten.

Grundsätzlich raten Astronomen von Feldstechern oder Fernrohren ab, weil deren Gesichtsfelder viel zu klein sind. Die meisten Sternschnuppen rauschten ungesehen vorbei. Aber: "Ein Fernrohr mit einem noch kleineren Gesichtsfeld lohnt sich unter Umständen bei photographischen Anwendungen mit längeren Belichtungszeiten", sagt Gaida. Grundsätzlich ist es technisch nicht schwierig, Meteore zu fotografieren. Erforderlich sind vor allem eine kurze Brennweite und Superweitwinkelobjektive, um weite Bereiche des Himmels abzudecken, wie Astrofans auf unterschiedlichen Seiten erklären. Eine detaillierte Anleitung zur Meteor-Beobachtung bietet beispielsweise der Arbeitskreis Meteore, allein die Tabelle der Zeiten ist veraltet.

Alles verschlafen? Nicht so schlimm

Jedes Jahr gibt es zahlreiche Meteoritenströme. 2016 beginnt gleich mit einem Schauer der Quandrantiden, der Höhepunkt wird für den 4. Januar erwartet. Allerdings ist deren Maximum viel kürzer als das der Geminiden – es erstreckt sich über nur wenige Stunden. Zudem sind sie nur nach Mitternacht zu beobachten, sagt Molau. Es folgen einige schwächere Sternschnuppenphasen, für die es sich nicht lohnt, die Nächte durchzumachen. Im Spätsommer bieten die Perseiden dann wieder ein Feuerwerk.