Die Kernfusionsforschungsanlage Wendelstein 7-X hat erstmals Helium-Plasma erzeugt. Etwa zehn Milligramm Helium wurden in das Magnetfeld einer Vakuumkammer der 725 Tonnen schweren Anlage eingeleitet und anschließend auf eine Million Grad erhitzt.

"Das ist ein toller Tag", sagte die wissenschaftliche Direktorin Sibylle Günter nach dem ersten Experiment, das nach neunjähriger Bauzeit der Anlage geglückt ist. "Wir sind sehr zufrieden", sagte auch Hans-Stephan Bosch, der für den Betrieb von Wendelstein 7-X zuständig ist. "Alles lief wie vorgesehen." In der Anlage des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) soll die Verschmelzung von Atomkernen zum Zweck einer kohlenstofffreien Energieerzeugung erforscht werden.

Die Kernfusion, an der in Greifswald geforscht wird, ist die Energiequelle der Sonne und anderer Sterne. Ziel der Fusionsforschung ist es, aus der Verschmelzung von Atomkernen in Kraftwerken Energie zu gewinnen. Anders als bei der Kernspaltung in konventionellen Atomkraftwerken werden bei der Fusion nur minimale Mengen Radioaktivität freigesetzt. Zudem kann die Fusion im Gegensatz zur Kernspaltung nicht zu einer Kettenreaktion führen.

Unter irdischen Bedingungen verschmelzen am leichtesten die Wasserstoffsorten Deuterium und Tritium. Dabei entsteht ein Helium-Kern. Außerdem werden ein Neutron sowie große Mengen Energie frei. Ein Gramm Brennstoff könnte nach Angaben von Fusionsforschern in einem Kraftwerk 90.000 Kilowattstunden Energie erzeugen. Das entspricht der Verbrennungswärme von 11 Tonnen Kohle.

Wendelstein 7-X - Die Entstehung eines Kernfusionsreaktors im Zeitraffer Der Zeitraffer zeigt in drei Minuten die von 2005 bis 2014 laufende Wendelstein-7-X-Montage im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald.