1.226 – so viele Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland an den Folgen harter Drogen gestorben. Das ist ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Die meisten starben an einer Überdosis Opiaten, vor allem Heroin – teilweise in Kombination mit anderen Substanzen. Die Zahl derer, die durch die synthetische Droge Crystal Meth (mehr zu dieser Droge hier) ums Leben kamen, stieg im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel. 2015 ist das vierte Jahr in Folge, in dem die Zahl der Drogentoten nach einer langen Zeit des Rückgangs wieder zugenommen hat.

Die aktuellen Zahlen basieren auf Daten des Bundeskriminalamtes (BKA). Am Donnerstag gab die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, sie bekannt. "In Deutschland sterben weniger Menschen an illegalen Drogen als in anderen Industriestaaten. Dennoch ist jeder Drogentote einer zu viel," sagte Mortler.

Eine große Herausforderung für die Strafverfolgungsbehörden seien nach wie vor synthetische Drogen wie etwa Crystal Meth. Zwar stellte die Polizei im vergangenen Jahr weniger davon sicher als im Jahr 2014 – die Todesfälle, die auf diese Droge zurückgehen, seien jedoch um in Viertel gestiegen. Crystal Meth ist in den östlichen Bundesländern nahe der Tschechischen Republik weiterhin am stärksten verbreitet. Auch in Westdeutschland sei die Droge inzwischen vermehrt sichergestellt worden. 

Alkohol und Tabak fordern weit mehr Todesopfer

Trotz der wachsenden Zahl der Drogentoten bleiben die Folgen legaler Drogen das Hauptproblem in Deutschland, allen voran Zigaretten. Etwa 110.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an den Folgen des Rauchens, 74.000 an den Folgen von Alkohol (Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2015). Exzessives Trinken schadet dabei nicht nur der Gesundheit: Unter dem Einfluss keiner anderen Droge werden so viele Straftaten begangen und passieren derart viele Unfälle im Straßenverkehr. 1,3 Millionen Menschen sind alkoholabhängig, 9,5 Millionen übertreiben es regelmäßig.

Während das BKA nur auf Daten von Menschen zurückgreifen kann, die der Polizei wegen des Konsums illegaler Substanzen aufgefallen sind, versuchen Wissenschaftler vom Global Drug Survey in der weltweit größten Umfrage zum Konsum legaler wie illegaler Drogen auch diejenigen zu erfassen, die im Alltag Drogen nehmen, aber weder in Suchtkliniken landen noch von Behörden als Straftäter erfasst wurden.

Seit 2014 unterstützt ZEIT ONLINE diese Drogenumfrage und wertet die Ergebnisse im ZEIT-ONLINE-Drogenbericht aus. Der Fokus liegt hierbei darauf, herauszufinden, welche Drogen – unabhängig von der Strafverfolgung – die schwersten gesundheitlichen und sozialen Folgen für einzelne und die Gesellschaft haben und wie diejenigen, die Drogen nehmen, den Konsum sicherer gestalten können: hier die Ergebnisse aus dem Jahr 2015. Kommenden Juni wird der aktuelle ZEIT-ONLINE-Drogenbericht veröffentlicht.

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ZEIT-Online-Drogenbericht 2015 - Welche Drogen nehmen ZEIT-ONLINE-Leser?