Es sind quälende Tage für die Hinterbliebenen der 66 Menschen, die mit EgyptAir-Flug MS804 ins Mittelmeer gestürzt sind. Sie warten auf Antworten, genau wie die Fluggesellschaft, Regierungen und Behörden: Explodierte an Bord eine Bombe? Brachte ein technischer Fehler die Maschine zum Absturz?  Noch immer ist die Blackbox mit den Flugschreibern verschollen. Nur sie könnte die drängenden Fragen beantworten. 

Lesen Sie hier, was bisher zum Verschwinden der EgyptAir-Maschine bekannt ist.

Es erscheint absurd, dass Passagiere an Bord vieler Flugzeuge WLAN-Internetzugang mit Livestreaming haben, gleichzeitig aber alle essenziellen Daten über den Flugverlauf, mehrere Hundert Parameter, nur in zwei Metallkisten gespeichert werden, die es nach einem Absturz zu finden gilt. Genauso bizarr: Heute lässt sich jedes Smartphone aufspüren, nicht aber die Trümmer eines Großraumjets auf dem Meeresgrund. "Zwölf Stunden im Wasser und noch keine Spur. Inakzeptabel in 2016!", nannte das ein User eines Piloten-Onlineforums nach dem EgyptAir-Absturz.

Tatsächlich gibt es längst eine Streamingtechnik aus Flugzeugen, die funktioniert und auch vereinzelt eingesetzt wird. Spätestens seit dem Verschwinden des Malaysia-Airline-Fluges MH370 am 8. März 2014 wird über sie wieder diskutiert.

Die teuerste Suchaktion in der Luftfahrtgeschichte

Damals war Flug MH370 über dem Indischen Ozean auf dem Weg nach Peking verschollen. Auch gut zwei Jahre später und nach der teuersten Suchaktion in der Luftfahrtgeschichte gibt es keine Anhaltspunkte, wo und warum die Boeing 777 mit 239 Menschen an Bord verschwand. Rund 125 Millionen US-Dollar hat die Suchaktion gekostet. Sie blieb erfolglos in einem Gebiet von mehr als 120.000 Quadratkilometern Ozeanboden – eine größere Fläche als Bayern und Niedersachsen zusammen.

Zwölf Stunden im Wasser und noch keine Spur. Inakzeptabel in 2016!
User eines Piloten-Onlineforums

Nun läuft im Mittelmeer erneut eine herausfordernde Suche. Das Wrack des Airbus A320 der EgyptAir wird an einer der tiefsten Stellen des östlichen Mittelmeers vermutet. Doch von der Blackbox und deren Signal fehlt jede Spur.

30 Tage sendet der Peilsender

Seit dem Absturz von Air-France-Flug 447 über dem Südatlantik 2009 ist der Crash von EgyptAir-Flug MS804 bereits der vierte schwere Flugzeugunfall über Wasser innerhalb von sieben Jahren. Neben MH370 fiel auch noch ein Airbus A320 von Air Asia im Dezember 2014 in die Javasee. Hatte man bisher bei Abstürzen über Land stets die Flugschreiber und Stimmrekorder mit allen wichtigen Daten bergen können – ausgenommen die Terrorflüge ins New Yorker World Trade Center 2001 –, so gestaltet sich dies im Ozean extrem schwierig.

Im Fall von AF447 dauerte es zwei Jahre. Schon damals wurden Forderungen nach besserer Technik laut: Der Peilsender, der das Auffinden unter Wasser ermöglichen soll, sendet nur für 30 Tage Signale aus, und die sind nur im Umkreis von etwa zwei Kilometern zu empfangen. Seine Lebensdauer auf 90 Tage zu erhöhen und den Empfangsradius zu vergrößern steht seit 2009 auf der Agenda. Geschehen ist bis heute nichts.