Wahrscheinlich ist es kein Sensationsfund, den William Gadoury, ein Schüler aus Kanada, auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán gemacht hat. Und es gibt auch keine wissenschaftliche Veröffentlichung zu seiner angeblichen Entdeckung. Das Verblüffende ist, mit welcher Leidenschaft der 15-Jährige den Spuren der Maya-Kultur nachjagt. Und wie ihn ein bisschen Support einiger Weltraumforscher und diverse Medienberichte über Nacht bekannt gemacht haben. Der kanadische Sender CBC News veröffentlichte ein Interview mit Daniel De Lisle von der kanadischen Weltraumagentur CSA, der erklärt, wie es zu der Zusammenarbeit mit dem Jungen kam.

Gadoury ist so für einen Moment zum Archäologie-Star geworden. Und das, obwohl die Maya-Stadt, die er entdeckt haben will, sich als schnödes olles – aber eben nicht jahrtausendealtes – Maisfeld entpuppen dürfte.

Seitdem er von dem apokalyptischen Kalender der Maya mitbekommen hatte, die das Ende der Welt für den 21. Dezember 2012 vorhersagten, war der Junge aus Quebec angeblich fasziniert von dem indigenen Volk Mittelamerikas. Die ältesten Überreste ihrer Bauwerke werden auf etwa 2.000 Jahre vor Christus datiert. Überall auf der Yucatán-Halbinsel, in anderen Teilen Mexikos und in weiteren Staaten Mittelamerikas haben Archäologen seit Ende des 19. Jahrhunderts historische Bauten dieser einstigen Hochkultur ausgegraben.

Zeigen die Sterne, wo die Mayas bauten?

Die Ausgangshypothese des Hobby-Archäologen aus Kanada war nun, dass die Maya sich bei der Auswahl ihrer Ansiedlungen nach den Sternbildern richteten. Er untersuchte 22 astronomische Konstellationen und verglich sie mit den Standorten von 117 bereits entdeckten Maya-Stätten, wobei die hellsten Sterne die größten Siedlungen anzeigten. Ob er dabei aussagekräftige Quellen über die Astronomie der Maya hatte, wird aus den Berichten über ihn nicht klar. Jedenfalls stellte er nach seinen Vergleichen fest: Es fehlt die Stadt zu einer Konstellation. Sie müsste nach seinen Berechnungen in der Nähe von Belize im Süden der Insel Yucatán liegen. Und er wollte nachgucken.

Satellitenbilder voller Grün

Normalerweise sind Satellitenbilder von dem dicht bewaldeten Dschungelgebiet für Archäologen wenig brauchbar – darauf ist nur ein dichtes Blätterdach erkennbar. Waldbrände im Jahr 2005 änderten das. Sie machten das Gelände frei für Aufnahmen, die auch Strukturen am Boden deutlicher zeigen.

Diese bekam Gadoury, der bis dahin vor allem frei verfügbare Daten und Google-Earth-Aufnahmen genutzt hatte, von der kanadischen Weltraumagentur CSA.

Darauf fanden sich tatsächlich geometrische Formen, die auf von Menschen errichtete Bauten hindeuten, wie der CSA-Wissenschaftler Daniel De Lisle dem Independent sagte. Er sei fasziniert davon, wie der Junge von den Sternenkonstellationen auf die Lage möglicher Siedlungen geschlossen habe.

Der Geograf Armand Lacroque von der University of New Brunswick ist der Ansicht, dass es sich bei dem Fund um Reste einer Pyramide und eines Straßensystems handeln könnte.

William Gadoury berichtet der kanadischen Weltraumagentur von seiner Entdeckung. © Canadian Space Agency

Mehrere Wissenschaftler haben sich inzwischen zu den Berichten über den Jungen geäußert und zweifeln stark daran, dass hinter den seltsamen Formationen jahrtausendealte von den Mayas aufgetürmte Steine stecken. Der Direktor der Mittelamerika-Abteilung an der University of Texas in Austin, David Stuart, schrieb etwa auf Facebook, es könne sich auch um ein verlassenes, aber eben modernes Maisfeld handeln. Später löschte er den Post wieder. Unterstützt wird seine Vermutung durch den Maya-Experten Thomas Garrison von der Universität Südkaliforniens. Er sagte der Plattform Gizmodo, er glaube ebenfalls an die Maisfeld-Hypothese.

Ohne Expedition keine Klarheit

Da der Fundort in einst dicht besiedeltem Maya-Gebiet liegt, nahe der bekannten Uxul-Stätte, wo seit 2009 Ausgrabungen stattfinden, ist die Vermutung aber auch nicht total abwegig, dass der 15-Jährige auf noch unentdeckte Teile schon bekannter Maya-Siedlungen gestoßen sein könnte. Nur eine teure Expedition könnte das aufklären. Damit er die unternehmen kann, hofft Gadoury jetzt auf Hilfe mexikanischer Archäologen. Die Frage ist, ob es sich überhaupt lohnt, nachzusehen.

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