Fragen Sie sich auch manchmal, was wirklich in den weißen Linien steckt, die Flugzeuge über den Himmel ziehen? Die meisten sagen, es seien Kondensstreifen. Künstlich erzeugte Wolken, die entstehen, weil Wasserdampf an Abgaspartikeln kondensiert. Manche glauben aber, dass uns Politiker das nur glauben machen wollen. In Wirklichkeit sollen demnach hoch dosierte Chemikalien aus den Flugzeugen auf uns niederregnen und das Klima oder sogar unser Bewusstsein verändern. Es soll gar ein eigenes Programm für diese Chemtrails geben namens Slap, kurz für secret large-scale atmospheric program.

Statt letztere Theorie als abgedrehte Aluhut-Fantasie abzustempeln, haben sich US-amerikanische Forscher ihrer angenommen (Environmental Research Letters: Shearer et al., 2016). Sie haben 77 Chemiker und Atmosphärenforscher befragt, die sich mit weißen Streifen auskennen. Die sollten verraten, ob sie von Hinweisen auf Slap wissen. 76 sagten, sie wüssten nichts von diesem Programm, mehr noch: Es gebe nicht den geringsten Anhaltspunkt für eine derartige Verschwörung. Am Himmel bewölke es sich schlicht. Lediglich ein Befragter antwortete, er sei in einer abgelegenen Gegend, in der der Boden normalerweise wenig Barium enthalte, auf einen hohen Wert des Elements in der Luft gestoßen.

Ein direkter Beweis für Slap ist das aber auch nicht. Auch wenn Barium in hohen Mengen schon ziemlich giftig sein kann. Der Slate-Autor Phil Plait fasst zusammen: "Das stützt kaum die Hypothese breit angelegter Vertuschungen von bewusstseinskontrollierenden Techniken." Eher wolle dieser eine Forscher sagen, dass er die Existenz von Slap nicht ausschließen könne, was Teil guter wissenschaftlicher Praxis wäre. Denn: "Wenn ich morgens meine Schlüssel nicht finden kann, kann ich auch nicht ausschließen, dass Dinosauriergeister sie vor mir versteckt haben", schreibt Plait. "Es scheint nur ein bisschen unwahrscheinlich."

Die befragten Experten wurden mit mutmaßlichen Beweisen für Slap konfrontiert, die Anhänger der Theorie in einschlägigen Foren verbreiten. Dazu gehören zum Beispiel Fotos von Kondensstreifen, die ungewöhnliche Formen haben, in Gruppen auftreten oder besonders lange am Himmel verbleiben würden. Etwa viele bogenförmige Linien auf einmal oder unterbrochene Streifen sind den Anhängern der Slap-Theorie besonders verdächtig. Außerdem berufen sich die Verfechter der Theorie auf Wasser-, Boden- und Schneeproben, die besonders hohe Konzentrationen bestimmter Elemente enthalten sollen.

Die Experten geben Entwarnung: Kondensstreifen können etwa je nach Flugzeugtyp, Temperaturverhältnissen oder Luftfeuchtigkeit verschiedene Formen annehmen. Dass sie länger am Himmel bleiben als früher, hänge mit den moderneren Motoren zusammen. Sie produzieren heute kälteren Dampf und ermöglichen, dass die Flugzeuge größere Höhen erreichen können. Das begünstigt, dass sich die Streifen langsamer verflüchtigen.

Was den Boden kontaminiert, kommt kaum von oben

Auch die Elementanalysen finden die Experten unbedenklich. In einer Probe wurden Aluminium, Barium und Strontium im Sediment eines Teiches untersucht. Laut Experten übersteigen die Werte dort nicht die Konzentration, die in der Natur ohnehin vorkommen könnte.

In einer Luftprobe waren die Ergebnisse für den Gehalt von Barium, Kupfer und Mangan hingegen derart hoch, dass das untersuchte Gebiet extrem kontaminiert sein müsste. Die Forscher tippen daher eher auf eine Kontaminationsquelle am Boden in der unmittelbaren Umgebung. Sie wagen aber ohne Umgebungsdaten keine Interpretation. Mit Chemtrails hat dies vermutlich nichts zu tun.

In einer dritten Probe aus Schnee fanden sich erhöhte Werte für Aluminium, Barium und Strontium. "Das sind sehr hohe Werte für eine Schneeprobe", schreibt ein Befragter. "Was mich vermuten lässt, dass hier nicht nur Schnee untersucht wurde." In der Tat bestätigen auch die Studienleiter, dass in diese Probe noch andere Partikel gelangt waren.

Viele mögen die Chemtrails-Analyse überflüssig finden. Jene, die fest an die Existenz von Slap glauben, wird sie nicht erschüttern können. Doch wer sich immer ein wenig unsicher war, dem sei gesagt: Es existiert mit sehr großer Wahrscheinlichkeit kein geheimes Programm, das vorsieht, die breite Bevölkerung mit giftigen Chemikalien zu besprühen. Tja.