Insgesamt sollen in Amatrice 29 Gebäude in den vergangenen Jahren mit Fördergeldern des Ministeriums konstruiert oder umgebaut worden sein. Darunter auch eine Klinik, die während des Bebens beschädigt wurde. Im Fokus der Ermittlungen steht auch eine Kirche in der Kleinstadt Accumoli. Als deren Turm einstürzte, begrub er eine vierköpfige Familie unter sich. Alle Familienmitglieder starben. Der Kirchturm war angeblich schon infolge eines schweren Bebens im Jahr 1997 mithilfe öffentlicher Gelder von der katholischen Kirchengemeinde nach Erdbebenschutzrichtlinien umgebaut worden.

Menschliches Versagen oder reine Naturgewalt?

Nur selten treffen Beben dicht besiedeltes Gebiet. Doch wenn, sind die Folgen verheerend. Dass sich gegen die Erdstöße – die heftigsten der vergangenen Woche trafen Italiens Bergregion mit einer Stärke von 6,2 – auch mit neuster Technik kaum etwas ausrichten lässt, wollen die Anwohner der betroffenen Dörfer, Ermittler und Politiker so offenbar nicht stehen lassen.  "Jeder glaubt, dass so eine Tragödie nicht nur eine Frage des Schicksals gewesen sein kann", sagte Chefermittler der Provinzhauptstadt Rieti nach einem Bericht des britischen Guardian. "Es ist unsere Pflicht, herauszufinden, ob es auch eine menschliche Verantwortung oder Schuld gab."

Behörden sollen nun auch untersuchen, ob Firmen bei der Umsetzung von Baumaßnahmen Richtlinien zum Erdbebenschutz nicht eingehalten haben. Mafiöse Strukturen und Korruption hatten in Italien immer wieder dazu geführt, dass Staatsgelder nicht ordnungsgemäß verwendet wurden.

Um sicherzustellen, dass das Geld, das jetzt für den Wiederaufbau bereitgestellt wird, auch ankommt, forderte Ministerpräsident Matteo Renzi die Antikorruptionsagentur Anac auf, sämtliche Zahlungen und Bauarbeiten zu kontrollieren. Er hatte, genau wie Staatspräsident Sergio Mattarell, am Samstag an einer großen Trauerzeremonie zur Beerdigung der Opfer teilgenommen.