Der mutmaßliche NSU-Terrorist Böhnhardt – Mörder der 2001 verschwundenen neunjährigen Peggy? Es klingt, als hätte sich ein Tatort-Drehbuchautor einen unheimlichen Plot ausgedacht: Zwei spektakuläre Fälle werden zu einem. Eine überraschende Wendung in einem Krimi, der jeden Zuschauer schaudern lässt.

Heute reicht ein Blick in die Nachrichten, um Gänsehaut zu bekommen. Fest steht: An einem Stück Stoff, das nahe der Leiche des Mädchens sichergestellt wurde, klebt die DNA von Uwe Böhnhardt. Wie die da drankam? Unbekannt. Eine Verunreinigung im Labor? Höchst unwahrscheinlich, sagen Fachleute.

Selten waren Forensiker und Rechtsmediziner so gefragt wie in diesen Stunden. Antworten, die niemand mehr geben kann, weil Böhnhardt tot und das NSU-Wohnmobil verbrannt ist, und weil Peggys Kinderleiche erst nach 15 Jahren verwest in einem Wald gefunden wurde, sollen sie nun geben. Herausgelesen aus den letzten Spuren, den Überresten des Erbguts.

Was kann die moderne Rechtsmedizin?

Gerade jetzt wollen viele wissen: Wie arbeiten Forensiker? Was kann die Technik der Rechtsmediziner leisten? Wie werden Spuren an Tatorten gesichert, wie werden sie analysiert, gelagert, archiviert und verglichen? All das erklärt die Ausstellung mit dem etwas markigen Titel Hieb § Stich. Dem Verbrechen auf der Spur, die gestern im Medizinhistorischen Museum der Berliner Uniklinik Charité eröffnet wurde.

Kern der Ausstellung ist, darüber aufzuklären, wie die Spurensuche in Kriminalfällen tatsächlich funktioniert. "Wir möchten ein realistisches, wissenschaftlich fundiertes Bild davon geben und mit Irrtümern aufräumen", sagte Michael Tsokos, Leiter der Berliner Rechtsmedizin, am Rande der Eröffnung.

Eine Puppenstube voller Tatorte

Inszeniert wird dazu etwa ein Wohnzimmer mit umgestürztem Stuhl, Blutspuren an Wand und Boden und Folien, die die Kriminalpolizei schon angebracht hat: der Innentatort, wie Rechtsmediziner sagen. Man habe hier bewusst auf die Inszenierung einer Leiche verzichtet, sagt Navena Widulin, Kuratorin der Ausstellung. Der Außentatort ist ein Stück Brandenburger Wald, wo ein Messer und Blutspuren zu entdecken sind – vom LKA mit dem 3-D-Scanner gesichert.

Ähnlich realistisch wirken die Nachbauten von Tatorten im Puppenstubenformat, die sogenannten Bäbistuben, Leihgaben aus dem Institut für Rechtsmedizin der Uni Zürich. Sie zeigen zudem: Nicht immer ist ein Verbrechen geschehen, wenn Rechtsmediziner hinzugezogen werden. Die Tote kann auch eine Frau sein, die vor Wochen schon im Wald erfroren ist. Die Besucher werden auch mit 20 echten Fällen aus Deutschland konfrontiert. Einige seien noch ungelöst, berichtet Thomas Schnalke, Direktor des Berliner Medizinhistorischen Museums.Vielleicht führt der Spürsinn der Besucher die Aufklärung weiter?