Es sollte ein historischer Moment sein: Am Mittwochabend wollte Europa erstmals auf dem Mars landen. Doch am Morgen danach sind die Gesichter des ExoMars-Teams nicht von reiner Freude gezeichnet. "Der Lander hat sich nicht verhalten, wie wir erwartet haben", sagte Andrea Accomazzo von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa am Donnerstag auf der extra einberaumten Pressekonferenz. Hat Lander Schiaparelli den Roten Planeten heil erreicht? Oder ist er zerschellt? Accomazzo und seine Kollegen wissen es nicht.

Dabei fing alles so gut an. Nach sieben Monaten Reise zum Mars begann am Mittwoch um 16.42 Uhr das Landemanöver wie geplant. Schiaparelli schmiss die Triebwerke an und trat mit 21.000 Kilometern pro Stunde in die Marsatmosphäre ein. In der Abstiegsphase sendet er ein Signal, das gleich zwei Geräte unabhängig voneinander empfingen. Demnach hat das Hitzeschild die Kapsel erfolgreich geschützt und den Fallschirm erwartungsgemäß ausgeworfen. In einer Animation hatte die Esa vorab den gewünschten Ablauf dargestellt:

Nach dem Abkoppeln des Fallschirms muss etwas schief gelaufen sein. 50 Sekunden vor der geplanten Landung brach das Signal ab. Und bislang ist es nicht gelungen, den Kontakt wiederherzustellen. 

Schiaparelli schweigt und die Esa weiß nichts weiter zu sagen als: "Es ist sehr schwer zu sagen, ob der Lander noch in einem Stück ist."

Nichts Neues für die Esa

Déjà-vu. Hatte die europäische Raumfahrtbehörde nicht schon mal ein Landegerät im All verloren? Nun, zwei sogar. Zuletzt war es Landeroboter Philae, der im Dienst der Rosetta-Mission auf dem Kometen Tschuri aufsetzen sollte. Es ging also um nicht weniger als die erste Kometenlandung in der Geschichte der Raumfahrt!

Minutiös hatte die Esa diesen Höhepunkt inszeniert. Punkt 16.30 Uhr sollte Philae aufsetzen, genau 28 Minuten und 20 Sekunden später würde die per Funk abgesetzte Erfolgsmeldung auf der Erde eintreffen, gerade rechtzeitig für eine Topmeldung in den Abendnachrichten. Doch der Lander prallte mehrfach von dem Kometen ab und verschwand dann in einer Senke, fernab der Sonne. Es fehlte somit an Energie, Philae versank in Tiefschlaf und ward verschollen – bis man ihn einen Monat vor Ende der Mission wiederfand. Immerhin.

Davor war es – wie ironisch – auch ein Mars-Lander: Beagle 2. Mit ihm wollte Europa bereits 2003 Geschichte schreiben. Wie Schiaparelli koppelte Beagle 2 erfolgreich von seiner Muttersonde ab. Nach einem fünftägigen Flug landete er im Dezember auf dem roten Planeten – wahrscheinlich. Es ließ sich nämlich kein Funkkontakt herstellen, am 11. Februar 2004 wurde die Sonde für verloren erklärt. Erst elf Jahre später gelang es, Beagle 2 auf Bildern aus dem Marsorbit eindeutig zu identifizieren.

Eine Planetenlandung gehört zu den schwierigsten Raumfahrtmanövern

Accomazzo ist zuversichtlich, dass das ExoMars-Team weit schneller herausfinden wird, wo und in welchem Zustand Schiaparelli den Roten Planeten erreicht hat. Es würden genug Daten vorliegen, um die Lage analysieren zu können. Dass eine missratene Landung die für 2020 geplante Rover-Mission gefährdet, bleibt unausgesprochen.

Zur Verteidigung der Esa sei zu sagen, dass – egal ob Mond, Komet oder Mars – die Landung auf einem fremden Himmelskörper bis heute zu den schwierigsten Raumfahrtmanövern gehört. So ist es nur verständlich und richtig, dass die Esa und ihr russischer Partner Roskosmos die Mission als teilweise erfolgreich feiern. Zum einen hat Schiaparelli einige Daten vom Eintritt und vom Abstieg zur Marsoberfläche übermittelt, die der eigentliche Grund für diesen Test waren. Es gibt also etwas auszuwerten.

Zum anderen ist der Trace Gas Orbiter (TGO) wie geplant in die Umlaufbahn des Mars eingeschwenkt, nachdem er um fünf Minuten nach drei deutscher Zeit sein Haupttriebwerk gezündet hatte. TGO ist der weit bedeutendere Teil der ExoMars-Mission.