Auch Katsuhiko Hayashi selbst kann sich nicht vorstellen, schon bald zeugungsunfähigen Männern und Frauen den Kinderwunsch zu erfüllen. Auch wenn man die Entwicklungsstufen der Mäusestammzellen schon recht gut kenne, fehle es an vergleichbaren Daten für menschliche Zellen, sagte er gegenüber der japanischen Gesellschaft für Wissenschaft und Forschung. Bis die Forschung so weit ist, dürfte es seiner Einschätzung nach noch mindestens zehn, vielleicht sogar 50 Jahre dauern.

Dennoch malen sich Fachleute schon aus, wie dank dieser Methode eines Tages Frauen in höherem Alter Mütter werden könnten als bisher. Diejenigen, denen kaum Eizellen in den Eierstöcken verbleiben (deren Anzahl nimmt nämlich mit dem Alter ab), könnten auf diese Weise frische Eizellen bekommen, sagte Max-Planck-Forscher Boiani. "Sensationell" wäre, wenn damit auch "älteren Frauen, die eine hohe Rate an defekten Eizellen aufweisen", geholfen werden könnte.

Die ethische Komponente

Wo immer sich die Wissenschaft mit dem Verständnis und vor allem mit der Beeinflussung der natürlichen Entwicklung von Leben befasst, ist eine Frage nicht weit: Darf er das, der Mensch? Wie schon seinerzeit bei Klonschaf Dolly (lesen Sie hierzu auch Gut geblöckt, Schaf! – über die Entwicklungen der Gentechik der letzten 20 Jahre), ist die Antwort weder eindeutig noch einfach.

Nach Ansicht von Amander Clark, Expertin auf dem Gebiet der Stammzellforschung an der Universität von Kalifornien, wurde das Forschungsfeld durch die Entdeckungen aus Kyoto nachhaltig verändert. "Wir benötigen eine ethische Diskussion über die Herstellung von Geschlechtszellen auf diese Art und Weise, bevor der Technologie die Chance genommen wird, ihre Nützlichkeit unter Beweis zu stellen", sagte sie.

Die Debatte rund um den Fragenkanon menschlicher Einflussnahme auf Stammzellen und die embryonale Entwicklung hat selbst schon einige Jahre auf dem Buckel. Das deutsche Embryonenschutzgesetz trat beispielsweise 1991 in Kraft. Also vor einem Vierteljahrhundert. Voraussichtlich werden sich zu diesem Diskurs noch einige Jahre hinzugesellen. Denn der frühe menschliche Embryo sei von dem der Maus so verschieden, dass es fast so sei, als ob man "diesen Prozess, der mehr als zehn Jahre benötigt hat, von null an neu starten muss", sagte Hayashi.

Funktioniert dasselbe eigentlich auch für Männer? Oder Mäuseriche? Theoretisch ja. Erst im Februar hatte das Team um Hayashi dazu eine wichtige Arbeit veröffentlicht. Doch auch damals galt: Noch zeugt kein Mann Babys mit künstlichem Sperma.