ZEIT ONLINE: Sieben erdähnliche Planeten, drei davon mit dem Potenzial für Wasser und eine Atmosphäre (ZEIT ONLINE berichtete). Ändert das Wissen um das 39 Lichtjahre entfernte Sonnensystem Trappist-1 den Fokus für alle Forscher, die – wie Sie – gezielt nach Außerirdischen suchen?

Eric Korpela: Natürlich hatten alle Alienjäger diesen Ort längst auf dem Schirm. Diese Region im Weltall wurde nicht erst jetzt entdeckt, sondern nur genauer beschrieben. Vorher wussten wir von drei, jetzt wissen wir von sieben Planeten im Orbit des fernen Trappisten-Sonnensystems. Ähnlich wie die Planeten Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun um unsere Sonne kreisen, umrunden dort Planeten einen Stern: Der ist ein Roter Zwerg, kälter als unsere Sonne und heißt Trappist-1. Er steht im Moment von der Erde aus gesehen sehr dicht an unserer Sonne. Zu nah, als dass man ihn und seine Planeten durch die Teleskope des Seti-Projekts (Search for Extraterrestrial Intelligence) erkennen könnte. Ich bin ja kein Verschwörungstheoretiker, aber dass die Arbeitsgruppe um Michaël Gillon ausgerechnet zu dieser Zeit im Jahr bei dieser Sternkonstellation ihr Paper veröffentlicht (Nature: Gillon et al., 2017), während wir nichts nachprüfen können, kann das Zufall sein?

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, das war Absicht?

Der Astronom forscht an der University of California und ist Direktor von Seti@home. Neben der Suche nach außerirdischer Intelligenz erstreckt sich seine Forschung über Ultraviolettastronomie bis hin zu interstellarer Materie. © Eric Korpela/UC Berkeley

Korpela: Klar, so haben sie alle Aufmerksamkeit für sich! Nein, ich mache natürlich nur Witze. Wir werden ein bis zwei Monate brauchen, bis wir Radioteleskope dahin ausrichten können, für optische Teleskope dauert es noch länger.

ZEIT ONLINE: Und wie sensationell ist die Nachricht von den erdähnlichen Exoplaneten jetzt? Schließlich werden wöchentlich Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Mehr als 3.500 sind schon bestätigt, etwa genauso viele werden noch überprüft. Einige davon sind deutlich dichter an der Erde dran.

Korpela: Sieben erdähnliche Planeten, davon mehrere in der habitablen Zone, das finde ich ziemlich spektakulär. Es ist die Art von Sonnensystem, von dem ich mir wünschen würde, dass wir in ihm lebten. Sieht aus wie ein Ort, an dem Zivilisationen sich leichter zu Raumfahrern entwickeln könnten als bei uns.

ZEIT ONLINE: Sie meinen, ehe wir uns versehen, kommen Außerirdische von dort zu uns herüber? Selbst mit Raumschiffen schneller als Lichtgeschwindigkeit würde das noch Jahre dauern…

Korpela: Klar. Und im Ernst: Im Moment wissen wir kaum etwas über diese Planeten. Ziemlich wahrscheinlich sind sie aus Gestein. Sie könnten von Ozeanen überflutet oder völlig trocken sein. Auch ob sie eine sehr dicke oder gar keine Atmosphäre haben: Wir wissen es nicht. Es wird Jahrzehnte dauern, mehr über sie herauszufinden.

NASA/JPL-Caltech
Wir fliegen zu E.T.!

Wir fliegen zu E.T.!

Wow, es gibt sieben mögliche Erden in unserer Nachbarschaft! Lebt da was? Reisen wir hin und schauen nach.

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© NASA/KSC
Get ready for boarding

Get ready for boarding

Unser Ziel: Sonnensystem Trappist-1. Entfernung: 39 Lichtjahre. Zum Mars fliegt der Mensch ein Jahr. Wie lange werden wir unterwegs sein?

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NASA
Reisezeit: 2 Mio (!) Jahre

Reisezeit: 2 Mio (!) Jahre

Wie bitte? Na gut, mit heutiger Technologie. Denken wir uns halt ein Raumschiff, mit dem es geht. Und weiter mit Warpgeschwindigkeit ...

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NASA/JPL-Caltech/R. Hurt (IPAC)
Hallo schöne neue Welten!

Hallo schöne neue Welten!

Fast da, was fällt auf? Dieser Zentralstern ist ein Roter Zwerg, leuchtet 1.000-fach schwächer als unsere Sonne und ist zehnmal kleiner.

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Das wäre wohl Zeitverschwendung. Wir wissen kaum etwas über Trappist-1h. Auf seiner Oberfläche ist es geschätzt minus 105 Grad Celsius kalt. Flüssiges Wasser ist dennoch nicht ausgeschlossen. Könnte sein, dass der Planet im Inneren warm genug ist. Doch: Zu viel "wenn" und "aber" – wir fliegen erstmal weiter!

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Besser nicht. Auf 1b, 1c und 1d könnte der Treibhauseffekt alles durcheinander gebracht haben. Vermutlich herrschen hier mehrere Hundert Grad Celsius. 1b und 1c könnten auch gar keine Atmosphären haben, somit wäre Wasser nicht flüssig. Sollte es hier je Nass gegeben haben, ist wohl alles verdampft. Also: Landeklappen wieder einfahren, wir schweben vorbei.

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ZEIT ONLINE: Die Nasa lehnt sich mit ihrem aktuellen Science-Fiction-Poster und den Animationen diesmal weit aus dem imaginären Raumschiff-Fenster…

Korpela: Diese Nasa-Illustrationen zeigen vor allem, wie wir Menschen uns so eine fremde Welt wünschen.

ZEIT ONLINE: Gäbe es dort Leben, vielleicht sogar intelligentes, würden die Teleskope des Seti-Programms es bemerken?

Korpela: Die Trappisten liegen außerhalb der Zone, die das weltgrößte Radioteleskop in Arecibo, Puerto Rico, ausspähen kann. (Anmerkung der Redaktion: Das Riesenteleskop, das die Datenbasis für das Multi-Rechner-Projekt Seti@Home liefert, ist zudem von der Schließung bedroht.) Mit dem Allen Telescope Array (ATA) – einer Anlage aus mehreren Radioteleskop-Schüsseln im Kaskadengebirge von Kalifornien – haben Kollegen aus dem Seti-Verbund schon gehorcht, ob seltsame Signale aus der Richtung kommen. Bisher nichts, was sich anhört, als wollten Außerirdische uns kontaktieren. Als Nächstes versuchen es Kollegen mal vom Green-Bank-Observatorium in Virginia aus.

ZEIT ONLINE: Wäre es nicht sowieso wahrscheinlicher, dass – wenn da etwas lebt – es sich um Mikroben handelt?

Für Mikroben sind andere zuständig

Korpela: Für die sind andere zuständig. In der Astronomie gibt es für alles Spezialisten: Die einen suchen Exoplaneten, die andern kennen sich mit Atmosphären aus – ich konzentriere mich auf außerirdische Zivilisationen, die groß und entwickelt genug wären, um von uns entdeckt zu werden oder uns Signale zu senden.

ZEIT ONLINE: Macht Trappist-1 Ihnen, was das angeht, Hoffnung?

Korpela: Es ist auf jeden Fall ein Ort, um nachzuschauen. Es ist zu früh, um vorhersagen zu können, ob wir Dutzende ähnlicher Sonnensysteme finden werden, oder ob die Trappisten einzigartig bleiben.

ZEIT ONLINE: Erst vor Kurzem wurde Proxima b entdeckt, ein erdähnlicher Exoplanet, nur vier Lichtjahre weit weg. Die Aufregung war damals schon groß. Ist Trappist-1 noch spannender?

Korpela: Das Besondere an Proxima b ist, dass er zehn Mal näher ist. Teleskope haben einen viel besseren Blick. Könnten wir hinfliegen (ZEIT ONLINE hat sich das schon mal vorgestellt), wären wir außerdem in einem Zehntel der Zeit da.

ZEIT ONLINE: Einige Seti-Forscher wollen Signale aussenden, damit etwaige Aliens uns Erdlinge aufspüren. Eine gute Idee?

Korpela: Das kann auch schiefgehen. Wer weiß, ob wir so eine Invasion kriegerischer Außerirdischer provozieren? So etwas sollte die Weltgemeinschaft zusammen entscheiden. Bis dahin sind wir lieber still. Und horchen.

Wie der Mensch das All entdeckt: Mehr zu Astronomie und Raumfahrt lesen Sie in diesem Dossier.