Eine Lachsalve gefolgt von einer ausladenden Geste, Gemurmel, dann wieder raues Lachen. Die zwei Bauarbeiter neben dem Londoner Café, in dem ich sitze, sprechen über eine Frau. So viel ist klar. Das Gespräch klingt wirklich unterhaltsam. Doch die Details bleiben mir verborgen. Ich verstehe sie nicht, sie sprechen eine andere Sprache – aber ich bin neugierig.

Auf was sie sich wohl unterhalten? Xhosa, erklären mir die beiden Südafrikaner auf meine Nachfrage auf Englisch. Das aber sei nur eine von vielen Sprachen, die sie beherrschen: In Johannesburg, ihrer Heimatstadt, würden die meisten Menschen fünf verschiedene sprechen, erzählt einer von beiden, Theo Morris. Theos Mutter beispielsweise ist Sotho, sein Vater Zulu, er hat Xhosa und Ndebele von seinen Freunden und Verwandten gelernt, Englisch und Afrikaans in der Schule. "Bevor ich hierherkam, war ich in Deutschland, also spreche ich auch Deutsch", fügt er hinzu. So viele Sprachen! Für Theo ist das "normal".

Er hat recht. Weltweit sprechen mehr als die Hälfte der Menschen mindestens zwei Sprachen, sind also bilingual – Schätzungen schwanken zwischen 60 und 75 Prozent. Viele Länder haben mehr als eine offizielle Sprache; in Südafrika beispielsweise sind es elf. Und nahezu überall gilt es mittlerweile als üblich, einer "Supersprache" wie Englisch, Chinesisch, Hindi, Spanisch oder Arabisch fähig zu sein. Monolingual aufzuwachsen, wie so viele nativ Englisch sprechende Menschen, ist die Ausnahme – und womöglich ein Nachteil.

Multilingualität hat zahlreiche soziale und psychologische Vorteile. Von der Lebensqualität mal ganz abgesehen. Manchen Studien zufolge profitiert sogar die Gesundheit davon: Wer mehrere Sprachen spricht, erhole sich schneller von einem Hirnschlag, und erste Anzeichen für Demenz zeigten sich später, heißt es.

Könnte es also sein, dass unser Gehirn geradezu für Multilingualität gemacht ist? Dass die, die nur eine Sprache sprechen, ihr Potenzial nicht ausschöpfen?

Wenige Tage nach meiner Begegnung mit Theo sitze ich in einem Labor, trage Kopfhörer und blicke auf einen Computerbildschirm mit Schneeflocken. Jedes mal, wenn ein Paar herunterrieselt, höre ich eine Beschreibung. Anschließend soll ich sagen, welche der beiden Flocken die Stimme gerade beschreibt. Das Problem: Ich höre die Informationen auf Syntaflake, einer künstlichen Sprache.

Wenn Sie nicht darüber nachdenken, sind Sie am besten.
Panos Athanasopoulos, Psycholinguist

Erfunden hat sie Panos Athanasopoulos. Der Professor für Psycholinguistik an der Lancaster University erforscht den bilingualen Geist, er untersucht, wie Menschen Sprache lernen und verarbeiten. Ich muss gestehen: Syntaflake lässt mich verzweifeln. Nach wenigen Minuten gebe ich mich geschlagen. Dabei habe ich ernsthaft versucht, die Sprache zu entschlüsseln.

Genau das sei mir zum Verhängnis geworden, sagt Athanasopoulos: "Am besten schneiden die Testpersonen ab, die sich keine Mühe machen und es einfach über sich bringen wollen." Am schlechtesten seien Studenten und Lehrkräfte, die ein Muster erkennen möchten. "Dabei ist das in der vorgegebenen Zeit unmöglich: Das Gehirn ist darauf ausgelegt, den Sinn unbewusst zu erarbeiten", sagt der Sprachforscher. "Wenn Sie nicht darüber nachdenken, sind Sie am besten – Kinder sind der Beweis."