"Wir müssen nicht nur gegen alternative Fakten, sondern um das Vertrauen der Menschen kämpfen"

Philipp Jäker (26) aus München, Doktorand als Materialwissenschaftler an der ETH Zürich, geht vielleicht zum March for Science in Hamburg

Wir Wissenschaftler müssen die Menschen wieder dazu bringen, unsere Arbeit zu verstehen und uns zu vertrauen. Das halte ich für noch wichtiger, als Wahrheiten oder Fakten im postfaktischen Zeitalter zu verteidigen. Ich frage mich zum Beispiel: Sind die Menschen wirklich nur zu bequem und schenken sie deshalb direkten, zugespitzten Aussagen mehr Glauben, als den komplexen Erklärungen von Wissenschaftlern? Ist vielleicht der Graben zwischen uns Wissenschaftlern und der Bevölkerung zu groß geworden? Haben wir uns vielleicht zu wenig darum bemüht, den Menschen unsere Arbeit und deren Bedeutung für die Gesellschaft zu erklären?

Ich habe in München Chemie studiert und bin überzeugt vom großen, langfristigen Nutzen von Grundlagenforschung. Ich habe aber das Gefühl, dass einige Disziplinen Forschung als reinen Selbstzweck betreiben. Sie scheinen völlig vergessen zu haben, was sie ursprünglich mal motiviert hat, auf ihrem Gebiet zu forschen. In bestimmten Fachbereichen scheinen Status und Reputation ein größerer Ansporn zu sein, als sich darauf zu konzentrieren, fundamentale Probleme der Menschheit zu lösen.

Ich kann verstehen, dass sich darüber Unmut regt. Wenn Steuergelder dazu dienen, die zwanghafte Suche nach bestimmten Molekülen zu finanzieren, um der Erste auf diesem Gebiet zu sein, finde ich das zweifelhaft. Meiner Meinung nach bergen die aktuellen Entwicklungen, wie die Wahl Donald Trumps und sein Umgang mit der Wahrheit, großes Potenzial, unser Wissenschaftssystem zu verändern – nicht nur zum schlechten. Aber wir müssen selbst umdenken.