Demenz-Erkrankungen wie Alzheimer sind unheilbar. Trotz intensiver Forschung und Medikamenten im Test. Alles, was bisher an Therapien zur Verfügung steht, kann den Verfall der geistigen Fähigkeiten nur verlangsamen, Symptome lindern, die Lebensqualität – mit der Krankheit – etwas verbessern. Aber: Die Zahl derer, die daran erkranken, ließe sich erheblich reduzieren, würden bekannte Risikofaktoren konsequent von Kindheit an bekämpft, schreiben Forscher diese Woche in mehreren Beiträgen im Medizinmagazin The Lancet (Livingstone, Frankish/Horton, Davies und Prince, 2017).

Klar, mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. Gerade in den Ländern, wo Menschen im Durchschnitt zunehmend älter werden, sind deutlich mehr Fälle zu erwarten. Dinge, die jeder tun kann, um das Risiko zu senken, gibt es dennoch. Die Wissenschaftler haben neun potenzielle Risikofaktoren für verschiedene Demenz-Formen ausgemacht. Einige davon betreffen eine bestimme Phase im Leben, andere – etwa das Rauchen oder Bluthochdruck – machen generell einen Unterschied.

Geringe Bildung – höheres Risiko

So sei mangelnde Bildung in der frühen Lebensphase (bis zum Alter von 15 Jahren) einer der wesentlichen Risikofaktoren. Im mittleren und höheren Lebensalter wirkten sich Fettleibigkeit, hoher Blutdruck oder Hörverlust nachteilig aus. Wird dieser durch Hörgeräte frühzeitig ausgeglichen, ist das Demenz-Risiko weniger hoch.

In einer späteren Lebensphase stellten soziale Isolation, Depression, Diabetes, Rauchen sowie mangelnde Bewegung ein Risiko dar. Würden alle Menschen diese Risikofaktoren minimieren, könnte die Zahl der weltweiten Fälle um etwa ein Drittel sinken, berechneten die Forscher.

Eine große Rolle spielt nach Ansicht der Forscher die Schulzeit. Was als Kind an kognitiven Fähigkeiten erlernt und trainiert wird, erhöht die Belastbarkeit des Gehirns – ein Leben lang. Hätten alle Kinder auf der Welt schlagartig Zugang zu ausreichender Bildung, ließe sich beinahe jeder zehnte Fall einer Demenz (also acht Prozent) vermeiden. Einzig Einbußen beim Hören hätten noch negativere Auswirkungen.

Allerdings "sollten die Zahlen mit Vorsicht interpretiert werden, weil es nicht möglich ist, alle Risikofaktoren vollständig auszuschalten", schreiben die Forscher selbst. Zudem seien bei den Berechnungen manche potenziellen Risikofaktoren nicht berücksichtigt worden, etwa Alkoholkonsum oder Sehschwäche, Schlafmangel oder Luftverschmutzung.

Bis zum Jahr 2050 rechnen die Forscher mit rund 131 Millionen Demenz-Kranken weltweit. 2015 lag die Zahl noch bei 47 Millionen.

Nachvollziehbares Aktionspaket gegen Demenz

Die Bonner Neuroepidemiologin Monique Breteler sagte: "Die Autoren machen zu Recht auf die Bedeutung und das gewaltige Potenzial von Prävention durch Veränderungen des Lebensstils und von Umweltfaktoren aufmerksam." Noch zu klären sei, welche der Faktoren tatsächlich kausale Auswirkungen auf die Krankheit haben. Das bedeutet: Die Ratschläge der Autoren beruhen auf statistischen Zusammenhängen, die zum Beispiel zeigen, dass Raucher häufiger Demenz bekommen als Nicht-Raucher. Ob und wie aber das Rauchen direkt zu Krankheiten wie Alzheimer führt, weiß man dadurch nicht.

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